Konjunkturdaten
Die US-Wirtschaft schmiert ab

Die größte Volkswirtschaft der Welt hat am Dienstag zwei neue Rückschläge erlitten. Nach neuesten Umfragen ist das Verbrauchervertrauen so schlecht wie zuletzt während der Ölkrise Anfang der 70er Jahre. Obendrein stürzten die Immobilienpreise ab - in vielen Städten auf ein historisches Tief. Die Börsen bekamen die neuen Hiobsbotschaften zu spüren.

NEW YORK. Das Verbrauchervertrauen stürzte im März von zuvor 76,4 auf nunmehr 64,5 Punkte. Die wirtschaftlichen Erwartungen für die kommenden sechs Monate werden nur noch mit 47,9 Punkten gemessen. Das ist der niedrigste Stand seit der Ölkrise Anfang der 70er Jahre. "Die Beschäftigung geht zurück, die Einkommen sinken. Zugleich steigen die Preise. Deshalb sind die Konsumenten so pessimistisch", sagte Ken Goldstein, Ökonom beim Conference Board. Die Denkfabrik ermittelt den Index für das Verbrauchervertrauen.

Schlechte Nachrichten gab es auch vom Immobilienmarkt. Nach Berechnungen des S&P/Case-Shiller-Index sind die Hauspreise in 20 amerikanischen Großstädten um 10,7 Prozent gefallen. Das ist der bislang stärkste Rückgang, der jemals gemessen wurde. Grund für den Preisrutsch ist eine Welle von Zwangsvollstreckungen, die das Angebot an unverkauften Häusern dramatisch erhöht hat. Der damit verbundene Wertverlust der Immobilien drückt auf die Stimmung der Verbraucher. In vielen Branchen zeigt sich, dass die Konsumfreude nachlässt.

Die Börsen bekamen das zu spüren. Nach den kräftigen Kursgewinnen vom Montag verlor der Dow-Jones-Index in den ersten Handelsstunden gut 0,5 Prozent 12 485 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,15 Prozent auf 1 347 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte 0,22 Prozent bei 2 321 Punkten schwächer. Neben den schwachen Konjunkturdaten drückten Befürchtungen über weitere Abschreibungen bei der US-Investmentbank Merrill Lynch die Stimmung am Markt. Der schwache Start an der Wall Street bremste auch die Rally am deutschen Aktienmarkt. Lag der Dax vor der Wall-Street-Eröffnung noch 3,3 Prozent im Plus, waren es kurz nach Handelsbeginn nur noch 2,75 Prozent.

Mit einem Anteil von fast 70 Prozent an der Wirtschaftsleistung ist der private Verbrauch die wichtigste Konjunkturstütze. Ökonomen gehen angesichts der Konsumschwäche davon aus, dass sich die US-Wirtschaft bereits in einer Rezession befindet. Konjunkturpapst und Harvard-Professor Martin Felstein rechnet mit dem stärksten Wirtschaftseinbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Aussichten auf eine baldige Besserung gibt es kaum. "Es wird noch ein Weile dauern, bis sich der Konjunkturhimmel wieder aufhellt", sagte Conference-Board-Ökonom Goldstein. Die meisten Volkswirte hoffen darauf, dass die Hauspreise so weit fallen, dass sie neue Käufer anlocken. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. So ist die Zahl der verkauften Altbauten im Februar erstmals seit Juli 2007 wieder gestiegen.

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