Konjunkturdaten
US-Dienstleistungsbranche wächst mit Rekordtempo

Anders als die krisengeschüttelte Industrie spürt in den USA der Dienstleistungssektor bereits deutliche Impulse durch die allmähliche Konjunkturbelebung. Die Geschäfte der Service-Branche wuchsen im Juli völlig unerwartet mit Rekordtempo. Volkswirte sprachen von beeindruckenden Zahlen, die einen weiteren Hinweis auf eine wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr lieferten.

Reuters NEW YORK. Zugleich verdeutlichten sie aber die Diskrepanz zur weiter eher schwachen Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe sowie die noch immer angespannte Lage am Arbeitsmarkt. Aktienmärkte und Dollar reagierten Börsianern zufolge daher nur vorübergehend mit Kursgewinnen auf die Daten. Unterdessen verzeichnete die Dienstleistungsbranche auch in der Euro-überraschend eine Geschäftsbelebung.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) kletterte im vergangenen Monat auf 65,1 (Juni 60,6) Punkte und damit den höchsten Wert seit Beginn der Umfrage im Juli 1997. Analysten hatten demgegenüber im Schnitt einen Rückgang auf 58,0 Punkte vorausgesagt. Zahlen über 50 Punkten zeigen eine wachsende Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor, Zahlen unter dieser Marke schrumpfende Geschäfte an.

Volkswirte zeigten sich insbesondere erfreut über die kräftigen Zuwächse beim Neugeschäft, das als Gradmesser für die künftige Geschäftsentwicklung gilt. So legte der Teilindex Neubestellungen auf 66,9 (57,5) Punkte zu. Auch der Teilindex Beschäftigung verbesserte sich auf 50,7 (50,3) Zähler und signalisiert damit, dass das Stellenwachstum im Dienstleistungssektor sich wieder etwas beschleunigt.

„Das heißt nicht, dass der Dienstleistungssektor heiß läuft“, sagte ISM-Experte Ralph Kauffman. „Aber der Trend geht nach oben, und wenn er weiter so bleibt, dann werden wir sehen, dass es mit der Wirtschaft insgesamt rascher bergauf geht.“

Arbeitsmarkt und Industrie machen Sorgen

Die Wall Street zeigte sich von den Daten allerdings unbeeindruckt. „Das sind gute Nachrichten, aber sie kommen nicht von dort, wo wir sie wirklich brauchen“, sagte Jeff Kleintop, Investmentstratege bei PNC Advisors. „Die beiden Bereiche, wo die Wirtschaft schwach ist, sind der Arbeitsmarkt und die Industrie.“ Daher warteten die Investoren nun auch vornehmlich auf gute Nachrichten aus diesen Bereichen.

Auch die Industrie profitierte im Juli von einem stärkeren Neugeschäft, kommt aber nur langsam wieder auf Touren. Zugleich bleiben erste Hinweise auf die erhoffte Entspannung des Arbeitsmarktes weiter aus. Die US-Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 6,2 Prozent nahe an einem Neun-Jahres-Hoch. Wie ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Daten der Personalberatungsfirma Challenger, Gray & Christmas zeigen, wuchs die Zahl der in den USA geplanten Stellenstreichungen im Juli um 43 Prozent, nachdem sie zuvor zwei Monate in Folge gesunken war.

Derweil stieg in der Euro-Zone die Geschäftstätigkeit der Dienstleistungsbranche im Juli erstmals seit Jahresbeginn wieder, wenn auch nur geringfügig. Der Reuters-Service-Index kletterte auf 50,2 (48,2) Punkte und zeigt mit einem Wert über 50 Punkten wieder ein Wachstum des Sektors. Analysten hatten mit einem geringeren Anstieg auf 48,7 Zähler gerechnet. In Deutschland sind die Geschäfte dagegen immer noch rückläufig, diese Entwicklung bremste sich im vergangenen Monat aber weiter ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%