Konjunkturelle Durststrecke
Wirtschaft hat Widerstandsfähigkeit nicht verloren

Die Schwächephase der deutschen Wirtschaft ist zwar noch nicht vorüber, lässt aber weder auf eine grundlegend verschlechterte Gesamtlage noch auf einen Verlust der in den vergangenen Jahren wiedergewonnenen zyklischen Widerstandsfähigkeit schließen. Warum die Bundesbank-Ökonomen nur mit einer konjunkturellen Durststrecke rechnen.

FRANKFURT. Zu diesem Schluss kommt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im zweiten Quartal verglichen mit dem ersten Vierteljahr um 0,5 Prozent zurückgegangen und damit das erste Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Zu Jahresbeginn hatte die deutsche Wirtschaft noch deutlich, um 1,3 Prozent, zugelegt. Verantwortlich für den merklichen Rückgang waren aus Sicht der Bundesbank- Ökonomen „entsprechende Gegenreaktionen“. Zudem seien im Verlauf des ersten Halbjahres zu den fortbestehenden Unsicherheiten und den noch nicht ausgestandenen globalen Herausforderungen weitere Belastungen hinzugekommen. Das aufgelaufene „Risikogemisch“ ziehe an der Wirtschaft nicht spurlos vorbei. Daher sei für den weiteren Jahresverlauf eine langsamere Gangart zu erwarten.

Darauf deutet auch das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hin. Es sagt für das laufende dritte Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal voraus. Diese Prognose hatte der Handelsblatt-Barclays-Indikator, der monatlich berechnet wird, bereits Anfang August abgegeben.

„Es wäre aber völlig abwegig, von einer Rezession zu sprechen“, kommentierte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. Das Institut zählt mit seiner Prognose derzeit zu den größten Optimisten. Es rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von 2,7 Prozent. Die Mehrzahl der Volkswirte geht dagegen von einen Anstieg um rund zwei Prozent aus.

Das DIW rechnet zudem damit, dass sich der außenwirtschaftlich bedingte Preisauftrieb in der zweiten Jahreshälfte deutlich zurückbilden dürfte. Dadurch werde die Kaufkraft der privaten Haushalte gestärkt und die Binnennachfrage erhalte bei hohem Beschäftigungsstand neue Impulse, schreiben die Institutsvolkswirte.

Wie hoch die Preissteigerungen in diesem Jahr allein auf Grund der steigenden Energiepreise sind, hat die Bundesbank berechnet: Die deutsche Energierechnung könnte 2008 um 23 Mrd. Euro höher ausfallen als im Vorjahr. Der Kaufkraftentzug entspreche damit fast dem Umfang der Mehrwert- und Versicherungsteuererhöhung Anfang 2007, heißt es im Monatsbericht. Insgesamt müsste Deutschland demnach in diesem Jahr netto 82,25 Mrd. Euro für Energieimporte ausgeben. Die Rechnung basiert auf der Annahme, dass der Ölpreis bei 120 Dollar pro Fass liegt und der Euro-Kurs 1,50 Dollar beträgt.

Unter dem Strich kommt die Notenbank in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass ein Konjunkturpaket angesichts der gesamtwirtschaftlichen Perspektiven nicht angebracht sei. Kreditfinanzierte Maßnahmen würden den Haushalt „umgehend wieder in eine Schieflage bringen“, schreibt sie. Bundesbankchef Axel Weber hatte vergangene Woche bereits gesagt, dass man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht über Konjunkturprogramme reden müsse.

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