Konjunkturentwicklung
Experten streiten über „W“- oder „V“-Erholung

Einig sind sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Ökonomen nur in einem: Die Horrorszenarien von bis zu fünf Mio. Arbeitslosen im Jahr 2010 werden wohl nicht Realität. Dennoch herrscht große Unsicherheit, wie es im kommenden Jahr mit der Konjunkturentwicklung und somit auch am Arbeitsmarkt in Deutschland weitergeht. Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn 2010 glaubt sogar an ein "Wunder" am deutschen Arbeitsmarkt.
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HB BERLIN. Gestritten wird über "W" oder "V" - Buchstaben, die für den Verlauf der Konjunkturerholung stehen. Und während der DGB mit über vier Mio. Arbeitslosen rechnet, hält Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn 2010 sogar ein "Wunder" am Arbeitsmarkt für möglich.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund erwartet 2010 - ähnlich wie die Bundesregierung - trotz wirtschaftlicher Erholung einen relativ deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf 4,1 Millionen. Auch wenn einige konjunkturelle Indikatoren sich nicht mehr eintrüben sollten, "steht das Schlimmste am Arbeitsmarkt noch bevor", sagte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy der "Rheinpfalz am Sonntag". Im zu Ende gehenden Jahr wird mit durchschnittlich knapp 3,5 Mio. Arbeitslosen gerechnet.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rechnet im kommenden Jahr "mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl, welche die vier Mio. nicht übersteigt". Damit ist er etwas optimistischer als die Regierung mit ihrer Prognose von 4,1 Millionen. Es müsse aber alles getan werden, "dass die Unternehmen nicht in eine breite Kreditklemme geraten", sagte Hundt der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wenn den Unternehmen die Liquidität für Investitionen fehlt, gefährdet dies die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung."

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, meinte in der "Bild"-Zeitung gar: "Auf dem deutschen Arbeitsmarkt passiert ein kleines Wunder. Während in den meisten anderen Ländern Katastrophenstimmung herrscht, trotzt unser Arbeitsmarkt der Krise." Statt der 4,5 bis fünf Mio. Arbeitslosen, die vielfach noch im Frühjahr für 2010 erwartet wurden, prognostiziert der Ökonom nun noch 3,6 Mio. Menschen ohne Job. Das "Wunder" am Arbeitsmarkt werde vom Staat mit massiven Lohnzuschüssen über das Hartz-IV-System oder das Kurzarbeitergeld erkauft.

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  • Sehr geehrter Herr Sinn, alles was sie als Experte sagen, muß man als normaler Mensch anzweifeln. ihre Sprache ist die eines Politikers, und die geht so, was wäre wenn, oder anders ausgedrückt nichts genaues weiß man nicht.

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