Konjunkturerwartungen
ZEW-Barometer steigt deutlicher als erwartet

Im August haben sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten wieder überraschend deutlich verbessert. Das ZEW-Stimmungsbarometer erholte sich damit von seinem im Juli erreichten Rekordtief. Wesentlich schlechter beurteilen die Finanzanalysten jedoch die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland.

HB MANNHEIM. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien zum Vormonat um 8,4 Punkte auf minus 55,5 Punkte gestiegen, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. Volkswirte hatten eine moderatere Aufhellung auf minus 60,0 Punkte erwartet. Trotz des Anstiegs liegen die Konjunkturerwartungen weiter deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 28,3 Punkten.

Die Verbesserung der Konjunkturerwartungen signalisiere, dass sich die Befürchtungen der Finanzmarktexperten über die konjunkturelle Abschwächung in Grenzen halten, kommentierte das ZEW die Ergebnisse. So dürften der jüngste Rückgang des Ölpreises sowie die Abwertung des Euro zum Dollar die Sorgen um die Konjunktur gemildert haben.

"Die Finanzmarktexperten haben sich von der negativen Zuwachsrate im zweiten Quartal zu Recht nicht sonderlich beeindrucken lassen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Insgesamt gingen die Experten von einer zwar schwächeren, aber alles in allem robusten Konjunkturentwicklung aus und befürchteten keine Rezession. Deutlich schlechter beurteilen die Finanzanalysten jedoch die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland. Der entsprechende Indikator brach im August um 26,2 Punkte ein und fiel in den negativen Bereich. Er steht nun bei minus 9,2 Punkten.

Dies ist der niedrigste Stand seit Februar 2006, damals notierte die aktuelle Lage bei minus 19,5 Punkten. Vor gut einem Jahr hatte der entsprechende Index mit plus 88,7 Punkten noch ein Allzeithoch verzeichnet. Die Prognose für August hatte auf plus 9,0 gelautet. Die Konjunkturerwartungen für die gesamte Eurozone hellten sich den weiteren Angaben zufolge auf minus 55,7 Punkte (Juli: minus 63,7) auf. Der Index für die aktuelle Lage wurde mit minus 22,2 (minus 3,3) Punkten angegeben.

Ökonomen geben trotz der gestiegenen Erwartungen keine Entwarnung für die Konjunktur. Ins Auge steche insbesondere die entgegen den Erwartungen negativ ausgefallene Beurteilung der aktuellen Lage. „Wir erwarten anhaltend schwache Konjunkturdaten besonders auch für das dritte Quartal“, sagte Uwe Angenendt von der BHF-Bank. „Die Mehrheit der befragten Finanzprofis geht davon aus, dass sich die Wirtschaft in den nächsten Monaten verschlechtern wird“, sagte Commerzbank-Experte Matthias Rubisch. Der Ölpreis sei trotz des Rückgangs immer noch eine Belastung. Es sei lediglich der Anstieg der vergangenen drei Monate korrigiert worden.

Im Anschluss an die ZEW-Daten notierte der Dax weiterhin schwach bei minus 1,3 Prozent. Der Euro hat nach der Veröffentlichung der Daten ebenfalls leicht nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung notierte bei 1,4653 Dollar. Die Kurse der Renten- und Aktienmärkte bewegten sich nach kaum.

Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone verbesserten sich im August ebenfalls um 8,0 Punkte auf minus 55,7 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum sank indes kräftig um 18,9 Punkte auf minus 22,2 Punkte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%