Konjunkturindizes
Warum die Euro-Zone auseinander driftet

Von "Wir sind die Optimisten Europas" bis zu "Die deutsche Konjunkturlokomotive läuft" - die Euphorie über Deutschlands Konjunktur-Aufschwung kennt keine Grenzen. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem Ergebnisse des sogenannten Einkaufsmanagerindizes. Allerdings stimmt dieser für den Rest des Währungsraums eher bedenkliche Töne an.
  • 4

FRANKFURT. Kommentatoren deutscher Konjunkturdaten überbieten sich zurzeit mit ihren positiven Äußerungen - betonen aber die unterschiedliche Entwicklung in Europa. "Deutschland erlebt eine Sonderkonjunktur - das gilt auch aus Sicht der Verbraucher", stellte Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) fest. Und: "Wir sind die Optimisten Europas." Die deutsche Konjunkturlokomotive laufe und laufe, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Deutschland eile mit "doppelt so starkem Wirtschaftswachstum wie die restliche Euro-Zone und einem robusten Beschäftigungszuwachs voraus, während die Länder der Peripherie weiter mit äußerst schwierigen Bedingungen zu kämpfen haben", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Ausschlaggebend für die euphorischen Formulierungen über Deutschland und die bedenklichen Töne über den überwiegenden Rest des Währungsraums sind nicht nur die aktuellen ifo-Zahlen. Elektrisiert haben die Ökonomen auch die am Dienstag vorgelegten vorläufigen Ergebnisse des sogenannten Einkaufsmanagerindex, einer Umfrage unter 4 500 Unternehmen der Industrie und des Servicesektors. Das Barometer kletterte im November zwar für die gesamte Euro-Zone überraschend kräftig nach oben, und das in beiden Wirtschaftsbereichen. Von seinem Acht-Monatstief im Oktober hievte sich der Index um 1,6 Zähler auf 55,4 Punkte - und stieg damit erstmals seit Juli.

Der Anstieg war aber alles andere als homogen: "Nach wie vor dominieren innerhalb der Euro-Zone eklatante Wachstumsunterschiede", sagte Markit-Chefvolkswirt Williamson. Außerhalb Frankreichs und Deutschlands stagniere das Wachstum bestenfalls, sagte er. Das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone werde folglich im Schlussquartal bestenfalls um 0,5 Prozent zulegen.

Wie eklatant die Unterschiede sind, demonstrieren vor allem die Geschäftsaussichten der Dienstleister binnen Jahresfrist: Während die Zuversicht des Servicesektors in Deutschland stark gestiegen sei und die französischen Unternehmen optimistische Erwartungen hegten, sank der Index für die Region außerhalb dieser beiden Länder auf den tiefsten Wert seit eineinhalb Jahren, gab Markit bekannt.

Seite 1:

Warum die Euro-Zone auseinander driftet

Seite 2:

Kommentare zu " Konjunkturindizes: Warum die Euro-Zone auseinander driftet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Hofieren des Kapitals hätte spätestens nach der Lehman-Pleite aufhören müssen. Doch die Weltfinanzarchitektur ist auch heute weitgehend dieselbe. Die Realwirtschaft ist an den Grenzen des Wachstums, und wir müssen ein Nullsummenspiel zwischen sich wechselseitig Abzockenden ertragen:
    http://bit.ly/h6aNiX

  • Nr. 1 hat vollkommen recht! Der deutsche Staat subventioniert durch Leiharbeit die von den Unternehmen schamlos ausgenutzt wird und die die Leiharbeiter zum Aufstocken zwingt, dass wieder der Steuerzahler bezahlt!
    Danach stecken die Unternehmen das ergaunerte Geld den banken in irland in den Rachen mit einer Gier nach Profit, nur die sind noch gerissener, stopfen sich alles in die Taschen, flüchten unter den Rettungsschirm, der wiederrum vom Steuerzahler finanziert wird.
    Wer so offiziell das Volk belügt, betrügt und ausbeutet, dem sich weitere und schlimmere Schandtaten zuzutrauen.

  • ich kann mich da nur anschließen. Steuererhöhungen für die deutsche Wirtschaft, als ausgleich dafür, daß weltweit billiardengelder aus den Haushalten zum Konjunktursponsoring verpraßt worden sind. Und von diesem Geld der steuerzahler haben die Aktionäre der deutschen Exportwirtschaft massiv abgesahnt. Eine kurzfristig heraufgesetzte besteuerung in Deutschland wäre der richtige weg, etwas von diesen Unsummen wieder für den Staatshaushalt hereinzuholen und Schulden abzubezahlen. aber wer wird glauben, daß schwarzgelb dies macht ? Die wirtschaften weiter auf Pump, wer das jemals zurückzahlt, das schert die nicht im Geringsten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%