Konjunkturmotor
Einkaufsmanager in China optimistisch

Die Sorgen um die chinesische Konjunktur häufen sich angesichts einer Immobilienblase, steigender Inflation und strafferer Geldpolitik. Doch die Wirtschaft des Landes bleibt eisern zuversichtlich.
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HB PEKING. Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex ist im November angestiegen, wie der nationale Dachverband Beschaffung und Logistik am Mittwoch in Peking mitteilte. Das Barometer erreichte 55,2 Prozent, was 0,5 Prozentpunkte über dem Wert für Oktober liegt. Der Index zeigt damit seit Frühjahr 2009 ununterbrochen auf stäkeres Wachstum. "Insgesamt weisen die Indikatoren für November auf weiterhin starke Binnennachfrage hin", schreibt Chang Jian von Barclays Capital.

Für das Gesamtjahr erwarten Ökonomen Wachstum von rund zehn Prozent. Für das vierte Quartal erwartet Barclays Capital eine Ausdehnung des Bruttoinlandprodukts von 9,3 Prozent nach 9,6 Prozent im dritten Quartal. Im kommenden Jahr dürfte das Wachstum mangels neuer Konjunkturprogramme auf neun Prozent absinken, so die Prognose. In den kommenden Jahren könnte die Rate dann auf acht oder neun Prozent sinken, glaubt Zhang Junkuo vom Entwicklungsforschungsinstitu des Staatsrats. Grund sei der Umbau der Wirtschaft weg von Exportorientierung hin zu mehr Binnennachfrage.

Die guten Konjunkturdaten haben an der Börse und in der chinesischen Immobilienbranche paradoxerweise Unruhe ausgelöst. Die Zentralbank liebäugelt schon länger mit einer Zinserhöhung. Da die Konjunktur einigermaßen außer Gefahr zu sein scheint, wäre jetzt der Moment gekommen, dem Markt die Konjunkturmilliarden aus der Krisenzeit wieder zu entziehen. Ein Zinsschritt scheint sogar noch vor Jahresende möglich. Das würde jedoch die Investitionen der Unternehmen und die Kreditvergabe der Banken drosseln - was sich auf dem Umweg über die kommenden Quartalszahlen auch die Aktienkurse belasten würde. Die Immobilienbranche wiederum lebt derzeit zurzeit von billigem Spekulationsgeld, das die Preise aufbläht.

Chinas Führung befindet sich derzeit in einem Dilemma. Das Wachstum ist hoch, doch die Grundlage dafür sind hauptsachlich Konjunkturmilliarden, die Peking seit Beginn der Krise freigesetzt hat. Damit ist es gelungen, einen Rückgang des Exports ausgzugleichen. Doch langfristig soll die Wirtschaft wieder auf eigenen Füßen stehen.

Die Liquiditätsschwemme hat zuletzt die Inflation hochgetrieben und damit den Unmut des Volkes geschürt. Die Zentralbank entzieht dem System daher derzeit wieder Geld. Doch das fordert zu der Frage heraus, was nun mit der Wirtschaft passiert: Wenn die Banken tatsächlich einmal weniger Kredite vergeben, dann können die Firmen nicht mehr so viel investieren.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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