Konjunkturprognose für den Herbst unter schwierigen Voraussetzungen
Institute stochern nach der Wahl im Nebel

„Die nächste Prognose ist immer die unsicherste.“ Was Volkswirte schmunzelnd als „eisernes Gesetz“ bezeichnen, dürfte in diesem Herbst für die Zunft bitterer Ernst werden. Das liegt vor allem an zwei Faktoren: der schwer abschätzbaren Ölpreisentwicklung und der Wirtschaftspolitik der noch ungewissen zukünftigen Regierung.

DÜSSELDORF. „Die Annahmen sind unsicherer als sonst“, sagt der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn. Unter der Leitung des Essener Instituts werden die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute am 20. Oktober ihr Herbstgutachten vorstellen. Alle halbe Jahr prognostizieren die Ökonomen im Auftrag des Wirtschaftsministeriums den Verlauf der deutschen Konjunktur. Im letzten Jahr hatten die Wissenschaftler die tatsächliche Entwicklung anders als in vielen Vorjahren nur um 0,1 Prozentpunkte verfehlt (siehe „Prognosen und Wirklichkeit“).

Ohne zu wissen, wer in der neuen Legislaturperiode regieren wird und welche wirtschaftspolitischen Pläne umgesetzt werden könnten, mussten die Konjunkturexperten allerdings noch nie das Auftragsgutachten vorlegen. Gesetze hätten sich während ihrer Berechnung zwar durchaus schon mal geändert, sagt der Konjunkturchef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Udo Ludwig. „Dass gewählt wurde, wir aber danach die Regierung noch nicht kannten, hatten wir noch nie.“

Vom 10. bis 18. Oktober – dem Tag, an dem sich der Bundestag erstmals in seiner neuen Zusammensetzung treffen wird – werden sich die sechs Institute in Essen zurückziehen, um ihre Prognose zu berechnen. Steht bis dahin noch immer nicht fest, welche Parteien zukünftig regieren werden, basiert die Prognose auf dem aktuellen Gesetzesstand und den Ankündigungen der rot-grünen Regierung. So plant die Bundesregierung beispielsweise, bis Ende 2006 die Zahl der Ein-Euro-Jobs zu erhöhen. „Es kann passieren, dass wir in diesem Jahr mangels besseren Wissens eine Prognose vorstellen, von der wir wissen, dass sie nicht eintreffen kann“, sagt Döhrn vom RWI.

Um auf alle Eventualitäten gefasst zu sein, wollen die Prognostiker zusätzlich verschiedene Szenarien durchspielen. Unterstellt man die derzeit wahrscheinlichste Variante, eine große Koalition, tritt laut Ludwig vom IWH vor allem ein Problem auf: Die Programme seien so verschieden, dass sie als Forscher kaum Anhaltspunkte für ihre Prognosen hätten. Abgesprochen haben die Institute diese Variante allerdings noch nicht.

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