Konjunkturprognose: In Irland macht sich Panik breit

Konjunkturprognose
In Irland macht sich Panik breit

Einen schlimmeren Jahresanfang hätten sich die Pessimisten kaum ausmalen können: Irlands Bankensystem in der Krise, die Traditionsfirma Waterford Wedgwood pleite, Dell verlagert seine Fabrik nach Polen, ein Rekordanstieg der Arbeitslosigkeit – und ein ausuferndes Haushaltsdefizit. Der „keltische Tiger“, einst Vorbild für Europa, ist am Ende.

LONDON. Der Staat droht angesichts klaffender Haushaltslöcher seine Top-Bonität einzubüßen. Noch schneller, als Irlands Wohlstand seit den 90er-Jahren gewachsen ist, verfällt er jetzt. Von einer für westeuropäische Verhältnisse traumhaften Wachstumsrate von sechs Prozent 2007 ging es 2008 nach einer Schätzung des führenden Wirtschaftsforschungsinstituts Esri auf minus 2,4 Prozent bergab. Die Iren tauchten als erstes EU-Land in die Rezession ab. Die Arbeitslosenzahl stieg so schnell wie noch nie auf ein 15-Jahres-Hoch von knapp 300 000 Menschen. Aktuell beträgt die Quote 8,3 Prozent. So sieht eine wirtschaftliche Vollbremsung aus.

Die Aussichten für das laufende Jahr sind noch schlechter. Die Regierung rechnet ebenso wie Esri mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund vier Prozent. Ökonomen sagen voraus, dass die Arbeitslosenquote auf zwölf Prozent hochschnellen wird. Ob 2010 wieder ein bescheidenes Wachstum bringen kann, steht in den Sternen. Der Kollaps des Immobilienmarktes hat die Banken in die Krise getrieben und den Konsum gebremst. Noch dazu stecken auch die wichtigsten Exportmärkte USA und Europa in der Rezession.

Anders als dort wird die irische Regierung nicht mit fiskalischen Impulsen helfen können. Sie hält sich aus allen Diskussionen über Konjunkturpakete heraus, weil ihre Steuereinnahmen einbrechen – auch das zum großen Teil eine Folge der Immobilienkrise. Im Gegenteil rechnen Ökonomen wie Patrick Mullane von der Bank of Ireland damit, dass die Regierung ihr ehrgeiziges Infrastrukturprogramm strecken wird.

Das Haushaltsdefizit explodierte bereits von 1,6 Mrd. Euro in 2007 auf 12,7 Mrd. Euro. Esri rechnet damit, dass es 2009 auf über 18 Mrd. Euro steigt – mehr als zehn Prozent des BIP. Dabei galt Irland während der Tiger-Jahre als finanzpolitischer Musterknabe, der trotz niedriger Steuersätze Haushaltsüberschüsse einfuhr. Der Staat muss sparen, fordern darum Ökonomen. „Die öffentlichen Finanzen dürfen nicht wieder, wie in den 80er-Jahren, eine Wachstumsbremse werden“, warnt Esri im jüngsten Lagebericht. Kurzfristig müsse die Regierung die Gehälter im öffentlichen Dienst senken, mittelfristig führe kein Weg an Steuererhöhungen vorbei.

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