Konjunkturprognosen
Deutsche Wirtschaft setzt auf Marathon statt Spurt

Das hohe Tempo des ersten Quartals kann der Aufschwung nicht durchhalten - aber die Wirtschaft wächst weiter stark. Das prognostiziert das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Das liege zur Abwechslung mal nicht am Export.
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FrankfurtDer Zwischenspurt im ersten Quartal beschert der deutschen Wirtschaft erneut ein überdurchschnittlich wachstumsstarkes Jahr. Auch wenn das Wachstumstempo inzwischen nachgelassen habe, bleibe der Aufschwung in Deutschland "intakt", schreibt das Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in seiner neuen Prognose.

In diesem Jahr erwarten die IfW-Ökonomen einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 3,6 Prozent, soviel wie 2010. Auch das benachbarte Hamburgische Weltwirtschafts-Institut (HWWI) hat seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr heute angehoben auf 3,5 Prozent. In der Gemeinschaftsdiagnose, die das IfW gemeinsam mit anderen führenden Instituten Anfang April der Bundesregierung vorgelegt hatte, gingen die Ökonomen noch von einem mit 2,8 Prozent wesentlich schwächeren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts aus.

Die gute Konjunkturentwicklung wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus: Im Jahresdurchschnitt dürften knapp 41 Millionen Personen erwerbstätig sein, im nächsten Jahr wohl 41,3 Millionen, prognostizieren die Kieler Ökonomen. Dagegen werde die Zahl der Arbeitslosen auf knapp drei Millionen in diesem und 2,7 Millionen im nächsten Jahr zurückgehen. Und das, obwohl es einige "Sondereinflüsse" gibt, die das IfW aufzählt: Im Mai endete die Beschränkung der Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht EU-Beitrittsländern in Mittel- und Osteuropa, in diesem Jahr wurde die Aussetzung der Wehrpflicht beschlossen worden, zudem komme es dieses und nächstes Jahr in einigen Bundesländern zu doppelten Abiturjahrgängen als Folge der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit.

Auch wenn die deutsche Gesamtwirtschaft im Jahresverlauf nicht mehr so schnell wie zu Beginn des Jahres wachsen wird, bleibt das Expansionstempo den Kieler Volkswirten zufolge "stark genug, um die Kapazitätsauslastung weiter steigen zu lassen", schreiben sie. Das ist vor allem der Binnennachfrage zu verdanken: Der stärkste Schwung gehe von der Investitionstätigkeit aus, die Zunahme des privaten Verbrauchs falle mit 1,7 Prozent so kräftig aus wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Der Außenbeitrag schwächelt dagegen: Im Gesamtjahr trage er zwar noch gut ein Viertel zur Expansion bei, ab der Jahresmitte sei jedoch "mit einer Schubumkehr zu rechnen". Im kommenden Jahr werde das BIP dann auch nur noch um 1,6 Prozent zulegen, erwartet das IfW. Damit ist das Institut pessimistischer als das HWWI, das 2012 ein Plus von 2,2 Prozent erwartet.

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