Konjunkturprognosen
Die Zeche für die Krise ist noch nicht bezahlt

Einstimmig sehen Wirtschaftsforscher die Rezession besiegt: Die deutsche Wirtschaftsleistung wird 2009 weniger als befürchtet schrumpfen. Und die Arbeitslosigkeit wird nicht wieder an den Rekordwert vom Februar 2005 heranreichen, als 5,3 Millionen Menschen einen Job suchten. Doch die Folgen für Arbeitsmarkt und Haushalt werden noch lange zu spüren sein.
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DÜSSELDORF. Der Weg aus der Rezession wird mühsam – darin sind sich die Wirtschaftsforschungsinstitute einig. Gestern legten mit dem Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW), dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gleich drei der am Gemeinschaftsgutachten für die Regierung beteiligten Institute ihre Prognosen vor.

Unisono revidierten sie das zwei Monate alte Herbstgutachten etwas nach oben. 2010 sehen sie die Wirtschaftsleistung um 1,2 bis zwei Prozent zulegen, 2011 dann noch einmal soviel. Damit dürfte in zwei Jahren gut die Hälfte des Rezessionseinbruchs aufgeholt sein. Das BIP wird 2011 etwa so groß sein wie 2007.

Doch nichts wird sein wie vor der Krise: 2007 war der Staatshaushalt ausgeglichen, die Steuern sprudelten, die Kapazitäten der Industrie waren ausgelastet und die Arbeitslosigkeit sank. „Die recht guten Wachstumszahlen sind leider ein bisschen trügerisch“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn. „Die Krise ist noch nicht überwunden.“ Den tiefen Fall im Krisenjahr 2009 könne Deutschland auf absehbare Zeit nicht wettmachen.

„Bis ein kräftiger Aufschwung einsetzt, wird noch Zeit vergehen“, schreiben auch die IfW-Forscher. Im Winterhalbjahr dürfte der gesamtwirtschaftliche Produktionsanstieg sogar niedriger ausfallen als im Halbjahr davor. Erst danach werde die Konjunktur allmählich an Dynamik gewinnen. Trotz der tiefen Rezession habe die Arbeitslosigkeit bislang sehr wenig zugenommen. Die Zahl der Arbeitslosen sei im November um knapp 250 000 höher gewesen als im Oktober 2008, als der Tiefpunkt in diesem Zyklus erreicht worden war.

Die vergleichsweise gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat laut IfW verschiedene Gründe. Die in der Agenda 2010 umgesetzten Arbeitsmarktreformen hätten zu einer „beispiellosen Lohnzurückhaltung“ beigetragen. Darüber hinaus tendierten die betroffenen Firmen in der Krise zu einer „außerordentlichen Arbeitskräftehortung“ und tolerierten vorübergehend eine massive Verschlechterung ihrer Kostensituation. Insgesamt sei die deutsche Wirtschaft besser positioniert als vor früheren Rezessionen.

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