Konjunkturprognosen
Volkswirte erwarten „Bodenbildung“

Mit Skepsis haben Volkswirte und Bundesregierung auf die bislang pessimistischste Konjunkturprognose für die hiesige Wirtschaft reagiert. Angesichts belebender Effekte der Konjunkturpakete, niedriger Zinsen und der Ölpreisentwicklung halten Volkswirte eine rasante Talfahrt für unwahrscheinlich – und prognostizieren eine „Bodenbildung“.

FRANKFURT. Nach Einschätzung des Leiters von Deutsche Bank Research, Norbert Walter, wird der Abwärtstrend derart rasant weitergehen, dass die deutsche Wirtschaft „nur dann 2009 um lediglich fünf Prozent“ schrumpfen werde, „falls wir ab Sommer einen richtigen Aufschwung haben“, hatte er der „Bild“-Zeitung gesagt. Aber auch ein höheres Minus sei nicht mehr auszuschließen.

Ein „richtiger Aufschwung“ – darunter verstehen Ökonomen einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe des Potenzialwachstums. Das liegt hierzulande bei rund 1,5 Prozent im Jahr oder knapp 0,4 Prozent pro Quartal. Unterstellt man einen BIP-Zuwachs dieser Höhe in den beiden Schlussquartalen des laufenden Jahres und geht wie Walter von einer Schrumpfung um gut fünf Prozent im Gesamtjahr aus, müsste das BIP in den ersten beiden Quartalen um je zwei Prozent schrumpfen.

„Dass es so rasant bergab geht, halte ich angesichts der stimulierenden Effekte der Konjunkturpakete, der niedrigen Zinsen und der Ölpreisentwicklung für höchst unwahrscheinlich“, sagt Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle, der minus 2,9 Prozent erwartet. Auch Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, der zu den Skeptikern seines Metiers zählt, hält eine „Bodenbildung“ im ersten Halbjahr für wahrscheinlicher als eine weiter sinkende Kapazitätsauslastung.

Dass sowohl Institutsökonom Scheide als auch Bankvolkswirt Scheuerle wie viele ihrer Kollegen ihre Wachstumsprognosen gleichwohl nach unten korrigieren wollen, liegt anders als bei Walter nicht an zunehmender Skepsis für das laufende Jahr. Sie planen eine Korrektur ihrer Prognosen vor allem, weil das Schlussquartal 2008 mit minus 2,1 Prozent weit schlechter als erwartet ausfiel und damit die Ausgangsbasis für 2009 trübt: Selbst wenn die Wirtschaft in allen vier Quartalen 2009 stagnierte, schrumpfte das BIP im Gesamtjahr um zwei Prozent. Die Bundesregierung will ihre Vorhersage von minus 2,25 Prozent erst Ende April überprüfen.

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