Konjunkturprogramm
China hängt Weltwirtschaft an den Tropf

Während das von der chinesischen Regierung vorgelegte massive Konjunkturprogramm rund um den Globus ein Kursfeuerwerk an den Börsen ausgelöst hat, melden sich inzwischen die ersten skeptischen Stimmen. Sie warnen vor einer Überschätzung "der chinesichen Heilmedizin" für die Weltwirtschaft.

PEKING. Die Volksrepublik China stünde noch vor weiteren, unbekannten Problemen, meint etwa Ronald Arculli, Chairman der Börse in Hongkong, im Gespärch mit dem Handelsblatt. "Die realen Folgen der Krise auf die asiatischen Länder sind noch immer sehr schwer abzusehen."

An den Börsen weltweit wurde das knapp 600-Milliarden-Dollar schwere Paket als "wahrhaftig astronomisch" und mit heftigen Kurssteigerungen gefeiert. Ein weiterer Aufwind an den gebeutelten Finanzmärkten sei nun denkbar, so Cao Xuefeng, Analyst von Western Securities in Schanghai. "Weitere solcher Schritte sind zu erwarten."

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte das Konjunkturprogramm der Chinesen. Dies eröffne auch gute Liefermöglichkeiten für deutsche Exporteure. Glos rief China auf, sich über seinen Staatsfonds an deutschen Unternehmen zu beteiligen. Über konkrete Beteiligungen sei aber nicht gesprochen worden, sagte Glos nach einem Treffen mit dem chinesischen Handelsminister Chen Deming in Berlin. "Um diese Finanzkrise zu bewältigen, brauchen wir Anstrengungen von allen", sagte Chen. Allerdings müsse jedes Land seine eigenen Maßnahmen wählen. Die USA forderte er auf, noch mehr gegen die Krise zu tun.

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Cluade Trichet, dämpfte dagegen zu hohe Erwartungen. Dass andere Länder dem Kurs Chinas folgen könnten, um mit gigantischen Staatsausgaben einen Absturz der Wirtschaft zu vermeiden, sei unwahrscheinlich, sagte Trichet. Die meisten Staaten hätten zu große Defizite und "keinen Spielraum für solche Manöver."

Selbst Beobachter in China zeigten sich überrascht von dem Ausmaß des Pekinger Konjunkturplans, der die Erwartungen bei weitem übertrifft. Das Ausgabenprogramm wurde darum als ein "unmissverständliches und klares" Signal bewertet, mit dem China zeigen wolle, dass man auch im kommenden Jahr mit aller Macht ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent erreichen werde.

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