Konjunkturschock
Wir sind Euro-Krise

Deutschland, die Konjunkturlokomotive in Europa. Das war einmal. Die jüngsten Konjunkturdaten fallen allesamt mies aus. Die Krise erreicht Deutschland. Daran ist die Bundesregierung nicht unschuldig – sie muss handeln.
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DüsseldorfEuro-Krise – das war für uns Griechenland, Spanien, Italien. Der Süden Europas hat über seine Verhältnisse gelebt, die nötigen Reformen vermissen lassen, seine Hausaufgaben nicht gemacht – so liefen hierzulande die meisten Debatten. Dass auch die deutsche Wirtschaft nicht unverwundbar ist, lernen wir erst in diesen Tagen.

Exporte, Auftragseingänge, Produktion – die Konjunkturdaten der vergangenen Tage haben reihenweise überrascht, und zwar negativ. Die Zahlen waren so schlecht wie zuletzt vor fünf Jahren in der Finanzkrise. Ein besonders krasses Beispiel: In den deutschen Autofabriken ist die Produktion um 25 Prozent zum Vormonat eingebrochen. „Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland ist zum Erliegen gekommen. Die gesamte Stimmung dürfte sich weiter eintrüben“, kommentierte Ulrike Karstens, Volkswirtin von Sal. Oppenheim.

Ökonomen suchen nach Erklärungen, manche verweisen auf die vielen Feiertage in jüngster Zeit, den späten Beginn der Sommerferien oder die Sanktionen gegen Russland, die auf die deutsche Wirtschaft zurückfallen. Doch kurzfristige Effekte erklären die schwachen Zahlen nicht allein.

Auch das heute veröffentlichte Herbstgutachten, das die führenden Wirtschaftsforscher für die Bundesregierung erstellt haben, bestätigt den Abwärtstrend: Die Institute (Ifo, DIW, RWI sowie IWH) haben ihre Wachstumsprognose fast halbiert – statt eines Wachstums von zwei Prozent gehen sie nur noch von 1,2 Prozent im kommenden Jahr aus. Das Konsumklima habe sich zuletzt verschlechtert. Auch die Auslastung der deutschen Wirtschaft werde sinken. Das hinterlasse Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Die klare Botschaft lautet: Der Aufschwung ist vorbei.

Das ist an sich noch kein Grund zur Panik. Wenn aber schon die deutsche Wirtschaft schwächelt, dann verheißt das nichts Gutes für den Rest der Euro-Zone. Die Hoffnung, die schwächeren Staaten könnten zu Deutschland aufschließen, hat sich nicht erfüllt. Es ist genau umgekehrt. Die Euro-Staaten ziehen sich gegenseitig herunter. Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldung und niedriges Wachstum könnten sich bis in den Kern Europas fressen.

Kommentare zu " Konjunkturschock: Wir sind Euro-Krise"

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  • Der große Denkfehler: Wenn Deutschland durch höhere Löhne relativ schlechter dasteht im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und dadurch Wettbewerbsfähigkeit verliert ist nichts gewonnen mit unseren eigentlichen Konkurrenten wie China, Indien, Südamerika, USA, Süd-Ost-Asien, etc.

  • "einen kleinen Ausgleich hin zu mehr Gerechtigkeit"

    Damit kann man jede sozialistische Parole begründen.

  • Sehr schön zusammen gefasst!

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