Konjunkturschub
Deutsche Binnenwirtschaft wird zum Wachstumstreiber

Weltweit haben sich die Konjunkturaussichten nach Einschätzung der OECD eingetrübt. Doch Deutschland kann auf seine anziehende Binnenwirtschaft bauen. Die mausert sich nämlich zunehmend zum Wachstumstreiber.
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HB BERLIN. Die OECD rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung mit 2,2 Prozent auch über das kommende Jahr hinweg vergleichsweise stark wächst. Schon im kommenden Jahr sei zudem der Vorkrisenstand bei der Wirtschaftsleistung wieder erreicht, schrieben die Experten in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick. Die Bundesbank hält den Aufschwung wegen der anziehenden Binnennachfrage für stabil. "Die Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft scheint gegenwärtig recht gefestigt", schrieb sie im Monatsbericht.

Für kommendes Jahr sagen die OECD-Experten ein Wachstum von 2,5 Prozent voraus. Die Bundesrepublik profitiert derzeit davon, dass viele Firmen aus Angst vor einem Fachkräftemangel in der Krise an ihren Belegschaften festhielten: Dadurch stieg die Arbeitslosigkeit kaum, anders als in anderen Ländern. Im dritten Quartal war die Erwerbstätigkeit sogar so hoch wie noch nie in einem Sommer seit der Wiedervereinigung. Und auch für die Zukunft sind die Aussichten günstig: Die OECD geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit, berechnet nach internationalen Standards, auf 6,2 Prozent sinkt, derzeit sind es 6,9 Prozent. Das stütze den privaten Konsum, der 2011 und 2012 jeweils um deutlich mehr als ein Prozent zulege.

Nach Einschätzung der Bundesbank dürfte die Wirtschaft sowohl die etwas ruhigere Auslandsnachfrage als auch das Auslaufen staatlicher Hilfen "ohne größere Verluste im konjunkturellen Grundtempo verkraften". "Dafür hat sich die Wachstumsbasis verbreitert", schrieben die Bundesbanker. Dennoch werde Deutschland weiterhin große Außenhandelsüberschüsse anhäufen, heißt es im OECD-Bericht.

Die Experten forderten die Bundesregierung daher zu weiteren Reformen auf: "Ein ausgewogeneres Wachstum könnte durch die Umsetzung von Strukturreformen erreicht werden, die die Investitionsausgaben im Inland erhöhen würden", schrieben sie.

Gerade im Dienstleistungsbereich müsste die Regulierung verringert werden. Zudem drohe ein Fachkräftemangel: "Angesichts der Bevölkerungsalterung und des im OECD-Vergleich niedrigen Anteils an Hochschulabsolventen sollte Reformen des Bildungssystems und einer Erhöhung der Zuwanderung hoch qualifizierter Kräfte Priorität eingeräumt werden", schrieben die Experten. Dem schloss sich Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle an: "Der Aufschwung darf nicht durch einen Mangel an Fachkräften behindert werden."

Weltweit trübten sich die Konjunkturaussichten dagegen nach Einschätzung der Organisation ein, in der sich 33 Industrie- und Schwellenländer zusammengeschlossen haben. Das weltweite Wachstum werde 2011 auf 4,2 Prozent zurückgehen, nach 4,6 Prozent 2010. 2012 sei mit plus 4,6 Prozent zu rechnen. Damit sind die Experten etwas pessimistischer als noch im Mai. Ein wichtiger Grund dafür ist die Konjunkturschwäche in den USA: Dort rechnen die Experten für 2011 lediglich mit 2,2 Prozent Wachstum - im Mai waren es noch 3,2 Prozent.

2012 dürfte die US-Wirtschaft wieder stärker in Schwung kommen und um 3,1 Prozent wachsen. Auch Japan komme mit einem Plus von 1,7 Prozent 2011 und 1,3 Prozent 2012 nur langsam aus der Krise. "Die Schwellenländer werden deutlich schneller wachsen als die OECD-Länder und den Welthandel beflügeln", schrieben die Fachleute.

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  • Wie soll DAS denn gehen?? Höherer Konsum?? Glaubt hier jemand wirklich, das Arbeitgeberpack will die Löhne erhöhen? Die haben doch ganz andere Pläne: 500T Einwanderer aus der Türkei, den Kurdengebieten und Arabien; gern auch in die Sozialsysteme. Die bringen jenes dann zum Platzen und man kann "Arbeit" für 4 Euro die Stunde anbieten, hat dabei einen unbegrenzten Nachfragepool.
    Nicht vergessen soll man auch die vielleicht 200Mrd€, die die dummen deutschen Arbeitnehmer in Kürze für die EU zu blechen haben, da ist die Strompreiserhöhung um 15% eine Erdnuss gegen.

    Oder sind die Deutschen - weil sie keinerlei echte Werte mehr kennen, ihre Kinder hassen und aus "Gründen der dunklen deutschen Vergangenheit", aber auch aus Konsumwahn und "Strebsamkeit" für fremde Länder schon so degeneriert, dass sie auf teufel komm raus shoppen wollen, weil sie sonst nichts kennen?

    Dann geht es der Wirtschaft toll, und die Deutschen überschulden sich.

    Geile Aussichten, was?

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