Konjunkturschwäche
Deutschland bremst die Euro-Zone aus

Die Frühjahrsbelebung der Euro-Konjunktur wird deutlich gedämpft. Grund ist ausgerechnet die deutsche Wirtschaft – und die fällt dadurch auch als Zugpferd für ganz Europa aus. Nun könnte die EZB zur Tat schreiten.
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BerlinWegen einer überraschenden Schwäche der deutschen Wirtschaft droht die Frühjahrsbelebung in der Euro-Zone auszufallen. Die Konjunktur in Deutschland verlor zum Start des zweiten Quartals 2013 überraschend an Fahrt. Das entsprechende Barometer für Industrie und Dienstleister rutschte im April erstmals seit November wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten, wie das Markit-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 1000 Firmen mitteilte.

Damit fiel Deutschland auch als Zugpferd für die gesamte Euro-Zone aus, wo die Privatwirtschaft ihre Talfahrt ungebremst fortsetzte. Ökonomen gehen nun davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Zinsen weiter senken könnte, um dem Währungsgebiet aus der Rezession zu verhelfen. Starker Rückenwind aus China bleibt derweil aus: Die dortige Industrie verliert zurzeit an Tempo.

Ende 2012 war die Wirtschaft in Deutschland und in der gesamten Euro-Zone jeweils mit 0,6 Prozent zum Vorquartal so stark geschrumpft wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Während der Währungsraum wegen seiner vielen Krisenländer noch tief im Konjunkturtal steckt, hatten Ökonomen und Firmenchefs für Deutschland eine rasche Erholung erhofft. Im März gab es jedoch den ersten Rückschlag, nicht zuletzt wegen des kalten und langen Winters, der viele Baustellen lahmlegte.

Im April schwächelten Industrie und Dienstleister nun erneut und zwar vor allem wegen sinkender Aufträge. Das Markit-Barometer rutsche auf 48,8 von 50,6 Punkten im Vormonat und erreichte den tiefsten Stand seit Oktober. "Die Daten legen nahe, dass eine Erholung im ersten Quartal nur recht kurzlebig sein dürfte", erklärte Markit.

Das schlägt voll auf die Euro-Zone durch: "Dass auch Deutschland wieder in negatives Terrain abgerutscht ist, verstärkt die Befürchtungen, dass die Wachstumslokomotive genau zu dem Zeitpunkt ausgefallen und zur Belastung für die Konjunktur geworden ist, an dem auch Frankreich, Italien und Spanien weiter tief in der Krise stecken", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Der Einkaufsmanager-Index für den Euro-Raum verharrte bei 46,5 Punkten. Williamson sieht dies aber als "Besorgnis erregende Konjunkturschwäche" zum Start des zweiten Quartals. "Dies deutet darauf hin, dass sich die Talfahrt in den kommenden Monaten eher verstärken als abschwächen dürfte."

Dies könnte die EZB auf den Plan rufen, um die Geldpolitik weiter zu lockern. Für Commerzbank-Analyst Christoph Weil steigt mit den schwachen Daten die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanker den Leitzins im laufenden Quartal auf das Rekordtief von 0,5 Prozent senken. Die EZB-Spitze berät am 2. Mai das nächste Mal darüber. Bereits seit Tagen heizen hochrangige Notenbanker Spekulationen auf eine Zinssenkung an. Seit Juli 2012 steht der Leitzins bei 0,75 Prozent.

Die Finanzmärkte reagierten weitgehend enttäuscht auf die Daten. Aber auch Zahlen vom Hoffnungsträger der Weltwirtschaft sorgten für Ernüchterung: In China wuchs die Industrie im April langsamer als noch im März. Der HSBC-Einkaufsmanager-Index sank auf 50,5 von zuvor 51,6 Punkten. "Nach dem schwachen Wachstum im ersten Quartal versprühen auch diese Daten wenig Hoffnung auf eine schnelle Trendwende", sagte NordLB-Experte Frederik Kunze. Vom verarbeitenden Gewerbe werde kein allzu großer Impuls kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das HB versteht es immer wieder seine Leser zu teuschen!
    Was eine TOP Headline wert gewesen waere, wird gut versteckt!
    Berichtet wird schon, doch niemand stoesst auf so eine wichtige Meldung so ohne weiteres drauf!
    Damit beweist das HB wieder einmal mehr, wie systemkonform es doch berichtet.
    Klar, darf mal ein Gastkommentator einen EURO Negativbericht schreiben, der aber dann schnell wieder in den Katakomben des Archivs verschwindet, nur um nachher sagen zu koennen, wir habens gebracht!

  • ist schon goldig - wenn in Deutschland die Konjunktur etwas langsammer läuft und das Wachstum um 0,8 statt um 1,2 % steigt, dann ist Deutschland Schuld wenn die ganze Welt auf eine Rezession hin steuert.

    ja, man möchte zu gerne, dass Wir (der Staat und die Bürger) das doppelte an Schulden machen. Damit dann französische Autos, Italienische Mode und grichischen Wein kaufen.
    Aber sorry, das werden wir nicht machen. Und wenn ihr noch so sehr dagegen wettert. Wir bleiben solide.

  • Es liegt immer an Deutschland!: Wir zahlen zuwenig, unser Wachstum schwindet, die Arbeitslosigkeit steigt. Und wir sind Nazis! Warum tun wir uns das an??? Darauf haben die Altparteien keine Antworten mehr. Wenn sich da nicht schnellstens etwas ändert, geht alles den Bach runter. Darum müssen viele millionen Bürger die AfD wählen, denn je stärker die wird, umso schneller wird der Euroirrsinn begrenzt bzw. abgeschafft. Dieser dauerkranke Euro, der schon über 5 Jahre im Koma liegt, wird nicht überleben, und er ist die Grundursache allen Übels in den Eurostaaten. AfD!

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