Konjunkturspritzen in Planung
Chinas Wirtschaft schwächelt nach den Spielen

Nach den Olympischen Spielen in Peking hat für Chinas Politik der wichtigste Wettbewerb gerade erst begonnen: Sie muss verhindern, dass sich die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt zu stark abkühlt.

HB PEKING. Die Führung in Peking kündigte dazu bereits mehrere Programme an, die kleinen Unternehmen helfen oder die Stromerzeugung ankurbeln sollen, weitere Programme sind in der Planung. "Die chinesische Wirtschaft schwächelt nach den Spielen, nicht, weil Olympia vorbei ist, sondern weil sie von weltweiten Kräften nach unten gezogen wird", sagte Don Straszheim, Vize-Chef von Roth Capital. "Die Daten werden für den Rest dieses Jahres und bis ins kommende Jahr hinein schrecklich aussehen."

Die US-Bank JP Morgan schrieb kürzlich über ein Volumen von 200 bis 400 Milliarden Yuan (etwa 20 bis 40 Milliarden Euro), die als Konjunkturspritze in der Diskussion seien. Dabei ist die Aufgabe enorm, vor der die Führung in Peking steht. Denn während die spektakulären Stadien und ganz besonders das "Vogelnest" in Peking die Welt in ihren Bann gezogen haben, sind in vielen Gebieten moderne Wohnungen und sauberes Trinkwasser Mangelware. Die stark wachsenden Städte leiden unter dem Smog; ein funktionierendes Verkehrssystem ist hier dringend nötig.

Dazu kommt eine überlastete Eisenbahn und eine marode Stromversorgung. Investitionen in die Infrastruktur könnten damit die Wirtschaft ankurbeln. "Nach unserer Einschätzung kann die Regierung einige Hebeln bewegen, um das Wachstum im zweiten Halbjahr und 2009 bei etwa zehn Prozent zu halten", sagte Ökonom Huw McKay von Westpac.

Arbeit genug wäre für mehrere Jahre vorhanden. Bis 2030 müssen die Städte nach Einschätzung von Analysten der Deutschen Bank fit gemacht werden für mindestens 350 Millionen neue Einwohner - das bedeutet neuen Wohnraum, mehrere Milliarden Quadratmeter Bürofläche, funktionierende Wasser- und Abwassersysteme, neue Schulen, Transportmittel und hunderte Kraftwerke. Im Vergleich dazu waren die 40 Milliarden Dollar, die für die Spiele ausgegeben wurden, nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Angesichts des starken Wachstums in den vergangenen Jahren hatte sich Chinas Regierung lange darauf konzentriert, ein Überhitzen der Wirtschaft zu vermeiden. Im zweiten Quartal hat sich nun das Wachstum auf 10,1 Prozent abgekühlt, nachdem es 2007 noch 11,9 Prozent erreicht hatte. Damit zeigt sich: China ist äußeren Einflüssen gegenüber nicht immun. "Wir gehen herunter von unglaublich starken Raten im vergangenen Jahr zu starkem Wachstum in diesem Jahr und normalem im kommenden, also acht bis neun Prozent", sagte Arthur Kroeber von der Pekinger Beratungsfirma Dragonomics. "China wird damit immer noch stärker wachsen als jede andere große Volkswirtschaft der Welt."

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