Konjunkturstütze
Fed-Vize liebäugelt mit milliardenschwerem Anleihenkauf

Die US-Notenbank Fed sieht Bedarf für weitere Konjunkturstützen. Fed-Vize Dudley denkt laut über ein neues Milliarden-Ankaufprogramm nach, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Der Finanzmarkt bereitet sich auf auf weitere Aktionen der Notenbank vor.
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HB NEW YORK. Die US-Zentralbank (Fed) steuert auf weitere milliardenschwere Konjunkturstützen per Notenpresse zu. Der einflussreiche Chef der Federal Reserve von New York, William Dudley, sagte am Freitag, "weitere Aktionen könnten wahrscheinlich nötig sein, sollten sich die Perspektiven am Arbeitsmarkt und beim Preisniveau nicht bessern". Dudley ist Stellvertreter von Fed-Chef Ben Bernanke im Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve, dem Gremium, das über Leitzins und geldpolitische Strategie entscheidet. Nach ähnlichen Äußerungen von Bernanke selbst war zuletzt am Finanzmarkt über weitere Ankäufe von langlaufenden Staatsanleihen durch die Notenbank spekuliert worden. De facto würde sie damit wie bereits auf dem Höhepunkt der Finanzkrise frisches Geld drucken und es in die Wirtschaft pumpen.

Das FOMC entscheidet das nächste Mal Anfang November über den Kurs der mächtigsten Zentralbank der Welt. Die US-Wirtschaft hat sich zwar längst aus der durch die Immobilien- und Finanzkrise ausgelösten schwersten Rezession seit Generationen befreien können. Zuletzt hatte das Wachstum aber wieder spürbar nachgelassen, und die Arbeitslosenquote liegt weiter deutlich über US-Verhältnissen. Dazu kommt die niedrigste Teuerungsrate seit fast 40 Jahren. Dies mag für die Verbraucher auf den ersten Blick zwar positiv sein, die Fed fürchtet aber ein Abrutschen in die Deflation, also einen Rückgang des Preisniveaus auf breiter Front mit unabsehbaren Folgen für die Gesamtwirtschaft. Trotz möglicher Nebenwirkungen halten einige Ökonomen eine weitere Erhöhung der Geldmenge für ein probates Gegenmittel.

Dudley wurde bei einem Vortrag vor Wirtschaftsjournalisten in der US-Finanzmetropole noch deutlicher: Sollte die Fed für 500 Mrd. Dollar Staatsanleihen oder Immobilienpapiere kaufen, käme dies einer Zinssenkung von einem halben bis zu einem dreiviertel Prozentpunkt gleich, rechnete er vor. Der offizielle Leitzins in den USA liegt seit Dezember 2008 bei null bis 0,25 Prozent. Seitdem hat die Notenbank für insgesamt 1,7 Billionen Dollar Staats- und Immobilientitel erworben, um die Konjunktur zu stimulieren. Der Erfolg war begrenzt: Auch Dudley nannte die Lage am Arbeitmarkt und die Höhe des Niveaus der Teuerung "völlig inakzeptabel".

Dudley hielt Kritikern einer weiteren geldpolitisichen Lockerung entgegen, solche Maßnahmen seien keineswegs wie oft behauptet nicht effektiv. Er sei sich sehr bewusst, dass weitere Wertpapierankäufe von vielen als Finanzierung der Staatsschuld durch die Notenbank gesehen würde. Diese Ansicht sei jedoch "fundamental falsch". "Wir haben Werkzeuge, mit denen wir die Wirtschaft zusätzlich stimulieren können, zu Kosten, die nicht zu unerschwinglich scheinen", sagte Dudley. Neben weiteren Wertpapierkäufen nannte er auch die Angabe eines konkreten Inflationsziels seitens der Notenbank. Die Fed verzichtet im Gegensatz beispielsweise zur Europäischen Zentralbank (EZB) darauf, ein Inflationsziel zu nennen. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Analysten zeigten sich nach den Äußerungen Dudleys davon überzeugt, dass die Fed Anfang November nachlegen und weitere Mrd. in die Wirtschaft pumpen wird. "Da die Fed ihren Zinssenkungsspielraum weitgehend ausgeschöpft hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Geldpolitik weiter zu lockern", sagte etwa Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Die Fed bereite die Märkte sukzessive auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik vor.

Kommentare zu " Konjunkturstütze: Fed-Vize liebäugelt mit milliardenschwerem Anleihenkauf"

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  • "Konjunkturstützen per Notenpresse" - das ist ein lustiges Spiel!

    Der Rest der Welt erbringt Leistung in Form von Rohstoffen, Konsumgütern und investitionsgütern;
    und "unsere amerikanischen Freunde" bezahlen mit frisch bedrucktem Papier...

    ... und nach dem Motto: "Hauptsache Arbeit, Hauptsache Aufträge für unsere industrie" stützen die einzelnen Wirtschafts- und Währungsräume den US-Dollar;
    d.h.: sie intervenieren gegen die Aufwertung ihrer eigenen Währung...

    Super Sache!

    Wieso zahlt die Fed nicht gleich jedem US-bürger ein monatl. bedingungsloses Grundeinkommen von 470,- USD pro Monat aus? (das wären dann auch 1,7 bio p.a. ...)

    der Rest der Welt würde sich über sowas ja sicherlich freuen:
    "Hauptsache Arbeit" scheint ja deren Motto zu sein...

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