Konjunkturwende
Wirtschaft erwacht aus Schockstarre

Die Anzeichen für eine Konjunkturwende verdichten sich. Volkswirte, Verbände und Konzerne sehen Anzeichen für eine Konjunkturwende in Deutschland. Gleichzeitig warnen sie aber auch vor einem kurzfristigen Rückschlag.

HB FRANKFURT. „Es wird keinen einheitlichen und gradlinigen Aufwärtspfad der gesamten Wirtschaft geben, doch immerhin hat sich die konjunkturelle Schockstarre gelöst“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. Auch die Bundesbank stellte am Montag in ihrem Monatsbericht fest, dass „der massive Vertrauensschock weltweit allmählich an Wirkung verliert“.

Anlass zu Zuversicht hatten zuletzt vor allem harte Daten gegeben: Die Auftragseingänge der deutschen Industrie waren im Mai ebenso kräftig im Vormonatsvergleich gestiegen wie die Industrieproduktion. Als positive Nachricht für die exportlastige deutsche Wirtschaft werten Experten auch das beschleunigte Wachstum in China und anderen asiatischen Regionen.

„Die Bodenbildung haben wir erreicht“, sagt der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, dem Handelsblatt. „Vor allem durch die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems ist es gelungen, Vertrauen aufzubauen“, sagt Deutsche-Bank-Ökonom Thomas Mayer. Das habe allerdings zur Folge, dass ein Auslaufen der staatlichen Kredit- und Fiskalimpulse eine stetige Konjunkturerholung im Jahresverlauf 2010 zu verhindern drohe.

Ohnehin beurteilen die wichtigsten Branchen ihre Situation unterschiedlich. Vorsichtiger Optimismus macht sich etwa in der IT-Branche und der chemischen Industrie breit. So hatte der Chip-Weltmarktführer Intel ein kräftiges Umsatzplus sowie höhere Gewinnspannen im zweiten Quartal gemeldet – das wirkt sich auch im Deutschland-Geschäft aus. Und IBM trotzte der Wirtschaftskrise mit einem unerwartet kräftigen Gewinnplus und erhöhte seine Ergebnisprognose für 2009. Branchenweit liegen die Umsätze trotzdem in den meisten Konzernen deutlich unter Vorjahr.

In der Chemiebranche rechnet die Mehrzahl der Unternehmen für das zweite Halbjahr mit einer leichten Belebung auf niedrigem Niveau, ergibt eine Trendumfrage des Branchenverbandes VCI. Eine schnelle Rückkehr auf das Niveau von 2007 gilt aber als sehr unwahrscheinlich. So rechnet der Verband für das laufende Jahr mit einem Produktionsrückgang um zehn Prozent und einem Umsatzminus von zwölf Prozent.

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