Konjunkturwunder

Deutschland zieht davon

Deutschland scheint alles richtig gemacht zu haben: Die Steuereinnahmen steigen, die Arbeitslosigkeit ist im letzten Jahrzehnt um eine Million gesunken und kaum ein Land gibt so viel für Forschung und Entwicklung aus.
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Das Jobwunder ist das Fundament des deutschen Erfolgs. Quelle: dpa

Das Jobwunder ist das Fundament des deutschen Erfolgs.

(Foto: dpa)

Stärke 1: Der Arbeitsmarkt
Sie steigt und steigt und steigt - die Beschäftigung in Deutschland eilt von einem Rekordhoch zum nächsten. Dieses Jahr werden voraussichtlich 41,62 Millionen Menschen in Deutschland Arbeit haben - das ist die höchste Zahl in der Geschichte der Bundesrepublik. Und 2013 wird die Erwerbstätigkeit trotz der verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung um weitere 120 000 Personen steigen, sagt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) voraus. Damit stünden fast zwei Millionen mehr Menschen im Arbeitsprozess als noch im Jahr 2007.

Und - entgegen vielen anderslautenden Stimmen - prägen nicht in erster Linie Minijobs oder (Schein-)Selbstständigkeiten das deutsche Jobwunder. Es sind vielmehr ganz überwiegend sozialversicherungspflichtige Stellen, die in den vergangenen Jahren auf dem deutschen Arbeitsmarkt entstanden sind.

Neue Arbeitsplätze bilden das Fundament der deutschen Konjunktur: Wer Arbeit hat, kann konsumieren, und nur wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, ist auch bereit, größere Ausgaben zu tätigen, etwa für ein neues Auto oder eine Immobilie.

In vielen Berufen sind Fachkräfte - vor allem außerhalb der Ballungszentren - mittlerweile schon so knapp, dass ordentliche Gehaltszuwächse an der Tagesordnung sind. "Der Lohnanstieg hat sich in diesem Jahr deutlich beschleunigt", so die RWI-Volkswirte. Dieses Jahr dürften die tariflichen Stundenlöhne im Schnitt um 2,6 Prozent und im kommenden Jahr sogar um 2,8 Prozent zulegen.

Eine weitere, für den gesamtwirtschaftlichen Konsum nicht zu vernachlässigende Größe sind die 20 Millionen Rentner. Sie konnten sich 2012 erstmals seit Jahren wieder über eine spürbare Rentenerhöhung freuen.

Und die Bundesregierung plant weitere Maßnahmen, die den privaten Konsum stützen würden. So sollen die Einkommensteuersätze und der Rentenbeitrag sinken. Diese Pläne blockiert die SPD bislang aber im Bundesrat. Ob sich diese Haltung im Wahlkampf auszahlen wird, erscheint allerdings fraglich. Denn die Wähler belohnen gemeinhin nicht diejenigen, die ihnen Entlastungen verwehren.

Stärke 2: Ausgeglichene Staatsfinanzen
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8 Kommentare zu "Konjunkturwunder: Deutschland zieht davon"

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  • @Europaeer
    Das hat nichts mit Pessimismus zu tun.
    Meine Erde ist rund, während Ihre eine Scheibe ist.

  • @Delinex, Sie können sicher sein, dass ich mich in 4 oder 5 Jahren noch an die Meinung erinnere, die ich heute vertrete.

    Bei Ihnen und den den ganzen Crashjüngern habe ich meine Zweifel und die wurden über die Jahre immer wieder bestätigt. Die Weltuntergangspropheten werden auch in 4-5 Jahren wieder auf die kommenden 4-5 Jahre verweisen müssen, wenn Sie vom Zusammenbruch fantasieren.

    Jenseits aller Finanzkapriolen hat jedes Land eine Wirtschaftskraft und hat jedes Land nicht wegdiskutierbare Werte. Beides ist in Deutschland sehr ausgeprägt. Darauf setze ich und nicht auf die Prophezeihungen von Pessimisten, die verzweifelt versuchen, alles mies zu machen, weil ihnen die derzeitige politische Richtung nicht passt.

  • @Europaeer
    In 4-5 Jahren, so schätze ich, werden wir die Quittung für die EU-Politik unserer Regierung und für die Politik der EZB bekommen – in Form einer netten Inflation.
    Leider wird dann der Zusammenhang mit der dieser Politik für die meisten Bürger nicht mehr unmittelbar erkennbar sein. Außerdem ist damit zu rechnen, dass sich die Politik wieder auf alle möglichen anderen Einflüsse herausreden wird – denn ansonsten müssten sie ja ihre Fehler von heute zugeben.
    Und auch SIE werden sich dann sicher nicht mehr an das erinnern wollen, was sie hier und heute im HB-Forum geschrieben haben.
    Haben Sie nur etwas Geduld.
    Sie werden sehen, dass die jetzt verspotteten „Pessimisten“ leider recht behalten.

  • Wenn der typische deutsche Jammerlappen solche Artikel liest, passt das so überhaupt nicht in sein Weltbild.

    Uns geht es doch schlecht.
    Wir sind doch der Zahlmeister Europas.
    Die anderen liegen doch nur faul in der Sonne und wir haben kaum die Butter auf dem Brot.
    Wir werden doch immer noch wegen unsere Nazi-Geschichte geächtet und ausgenutzt.

    Mit solchen Sprüchen lockt man keinen Hund mehr in Deutschland unter dem Sofa hervor, weil sie jenseits jeder Realität liegen.

    Deutschland hat den größten Nutzen aus der Euro-Krise.
    Deutschland kann seine Wirtschaftskraft sein politisches Ansehen stärken.
    Deutschland kann Vorbild für andere Länder Europas sein.
    Deutsche haben weltweit ein hohes Maß an Ansehen gewonnen und können sich in den meisten Ländern der Welt ohne Visum frei bewegen.

    Diese nicht abzustellende Jammerei auf hohem Niveau ist einfach nur peinlich.

  • Haha, in der Tat. Dat wird schon alles. Gruesse von einem optimistischen Rheinländer!

  • "Und die Bundesregierung plant weitere Maßnahmen, die den privaten Konsum stützen würden. So sollen die Einkommensteuersätze und der Rentenbeitrag sinken."
    Hat das denn bei Hans Eichels Steuerreform 2000 geklappt?
    M.E. hatte er danach riesen Löcher im Staatshaushalt und dann musste leider eine Agenda 2010 mit Plünderung der Sozialkassen her, um sie zu stopfen. Soll das jetzt nochmal durchexerziert werden?

    Den Bürgern würde es mehr nützen, eine Inflationsindexierung des Steuersystems einzuführen. Außerdem sollten gesetzliche Sozialabgaben vollständig von der Steuerlasst abziehbar werden. Geringverdiener sollten sie über eine negative Einkommensteuer zurückerhalten. Im Übrigen sollte die Steuerbemessungsgrundlad bei direkten Steuern verbreitert, der KSt-Satz auf 25% erhöht und die indirekten Steuern gesenkt werden.

    DAS wären echte Reformen, die der breiten Bevölkerung nutzen würden.

  • Dieser Artikel kann kein deutscher Autor geschrieben haben, hierzu fehlt der notorische Pessimismus den wir in Deutschland zu pflegen lieben.

  • Was soll so eine Lobhuddelei?

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