Konsequenzen für die Schweiz: Katerstimmung nach der Franken-Entscheidung

Konsequenzen für die Schweiz
Katerstimmung nach der Franken-Entscheidung

Der Tag danach: Die Notenbank hat den Deich der Kursgrenze gesprengt, die Verteidigung ist der SNB schlicht zu teuer geworden. Die Zeche für die Wirtschaftsprobleme in Europa müssen die Bürger und Unternehmen zahlen.
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ZürichGroße Dinge fangen oft klein an. Wie die Turbulenzen um den Schweizer Franken, die seit Donnerstag die Finanzmärkte in Atem halten. Um 10.30 Uhr klickte ich auf die Mail der Pressestelle der Schweizerischen Nationalbank. Wie üblich stand im Betreff nur „SNB Medienmitteilung“. Seit diesem Mausklick ist alles anders.

Auf 22 dürren Zeilen verkündet die Notenbank die Sensation: Die Aufhebung des Mindestkurses. Ich weiß nicht mehr genau, was ich laut ausgerufen habe – ich glaube, es wahr auch wohl ein Schimpfwort dabei. Ich lese den Text zwei oder dreimal. Aber die Begründung für den Schritt verstehe ich nicht.

Da steht was von „Unterschieden in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräumen“, die die Frankenkurs-Grenze unnötig machen würden. Dass die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik bald straffen, die EZB ihre dagegen weiter lockern wird, ist doch aber nichts Neues, denke ich. Warum also jetzt dieser radikale Schritt?

Über die Webseite des Anlegermagazins „Cash“ will ich einen Blick auf den Franken-Euro-Kurs werfen. Das dauert Minuten, die Seite scheint total überlastet zu sein. Endlich bekomme ich einen Kurs: Und einen Schreck – der Euro ist kaum mehr als einen Franken wert.

Die Schweizer Wirtschaft ist damit exakt am gleichen Punkt angekommen, an dem sie im Herbst 2011 ebenfalls war und die Notenbank die Kurs-Grenze verkündete: Rubel-Krise und Euro-Krise lassen Anleger in den sicheren Hafen Franken flüchten. Wie die Schweizer Export-Industrie jetzt eine Aufwertung von 15 Prozent verkraften soll, ist mir schleierhaft. Über 50 Prozent des Exporte der Schweiz werden nach Europa verkauft.

Auch mich trifft das Ende der Kurs-Grenze: Denn einen Teil meines Gehalts bekomme ich in Euro ausbezahlt. Und dieser Teil ist plötzlich rund 15 Prozent weniger wert. Das fühlt sich nicht wirklich gut an. Ich habe aber kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn die Pressekonferenz der Schweizerischen Nationalbank um 13.15 Uhr will ich auf keinen Fall verpassen. Als einer der ersten Journalisten treffe ich bei der Notenbank ein und kann mir einen guten Platz in der dritten Reihe sichern.

Kommentare zu " Konsequenzen für die Schweiz: Katerstimmung nach der Franken-Entscheidung"

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  • Das ist nun eine wirklich sehr dumme Antwort, Herr Falk!
    Sie wissen genau, welche Leute mit der angestrebten Stornierung der Personenfreizügigkeit gemeint sind.
    Auch bei dieser Idee schüttelt sich das uneinsichtige Europa noch, und dürfte die Schweiz Vorreiter der Umsetzung werden.

  • Es ist ein Experiment, in der Tat, mit einigen interessanten Veränderungen, die der Schweiz ins Haus stehen.

    Übrigens, was den Verlust von Arbeitsplätzten angeht, wenn die Schweizer Exportindustrie tatsächlich leiden sollte, ist dieser Umstand nun wirklich durch Entlassung der überschüssigen deutschen Beschäftigten in der Schweiz zu bewältigen.

  • Man kann uns allen nur zu dem Schritt der Schweizer Nationalbank nur gratulieren. Jetzt wird sich in einem hochinteressanten und spannenden Experiment herausstellen, ob eine schwache Währung wirklich eine gute Währung ist, wie es uns die EZB und die politische Klasse in Deutschland vorerzählen, oder ob nicht vielmehr auf längere Sicht die starke Währung auch gut für das Land und die Wirtschaft ist.

    Ich bin sehr zuversichtlich, daß es der Schweizer Wirtschaft nach einer turbulenten Übergangsphase gelingen wird, gestärkt aus der Sache herauszukommen. Das wäre dann die Blaupause für den eigentlich längst überfälligen Austritt Deutschlands aus dem Euro, spätestens dann, wenn der EuGH in einem halben Jahr endgültig das Gelddruckprogramm der EZB "alternativlos" durchwinkt.

    Warten wir in Ruhe den Ausgang des Experiments ab!

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