Konsum als „Aufsteiger des Jahres“
Die Deutschen langen wieder zu

Die vier Jahre dauernde Schwächephase beim privaten Konsum ist vorbei. Doch wie geht es weiter? Stehen Jahre mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten bevor? Antworten gibt eine Konsumstudie der WestLB-Volkswirte, die dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF. Die vier Jahre dauernde Schwächephase beim privaten Konsum ist abgeschlossen, ab diesem Jahr ist mit einer Normalisierung des Konsumtrends in Deutschland zu rechnen. Zu diesem Ergebnis kommen die Volkswirte der WestLB in einer Konsumstudie, die dem Handelsblatt vorliegt. Die vorrangigen Gründe sehen sie in der raschen und starken Arbeitsmarkterholung und den Aussichten, dass die verfügbaren Einkommen auch wegen höherer Tarifabschlüsse real wieder zunehmen.

Damit besteht die Chance, dass die privaten Konsumausgaben bereits in diesem Jahr trotz der Mehrwertsteuererhöhung stärker als im vergangenen Jahr steigen und sich die Basis der Inlandskonjunktur damit verbreitert. Die WestLB erwartet ein Konsumplus von real einem Prozent in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) halten 2008 sogar eine Zwei vor dem Komma des Zuwachses für möglich.

Noch zu Jahresbeginn hatten fast alle Konjunkturexperten wegen der Steuererhöhung eine wesentlich schwächere Konsumentwicklung vorausgesagt. Gemessen daran sei der private Konsum „der Aufsteiger des Jahres“, meinen die WestLB-Volkswirte. Sie und andere Experten sind in den vergangenen Wochen wegen der günstigen Arbeitsmarktzahlen, des relativ geringen Preisauftriebs und der Stabilisierung beim Konsumklima optimistischer geworden.

Dennoch kann es sein, dass die Besserung gar nicht richtig wahr genommen wird. Denn die im Fokus stehenden Einzelhandelsumsätze verzerren das Konsumbild. Zum einen müssen die Verbraucher seit einigen Jahren mehr Einkommen für gestiegene Energiekosten aufwenden. Zum anderen haben sich die Konsumgewohnheiten geändert. Die deutschen Verbraucher geben mit steigendem Wohlstand wesentlich mehr für Dienstleistungen aus als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Der Anteil des Einzelhandelsumsatzes an den gesamten Konsumausgaben ist deshalb allein seit der Wiedervereinigung um fünf Prozentpunkte auf 30,5 Prozent gesunken.

Die WestLB rechnet damit, dass die Effektivlöhne in diesem Jahr um rund 1,5 Prozent steigen. Das wäre der stärkste Anstieg seit 2001. Für die verfügbaren Einkommen würde dies preisbereinigt ein Plus von einem Prozent bedeuten – sie hatten 2006 stagniert und waren davor zwei Jahre lang gesunken. Für 2008 erwartet die WestLB 1,5 Prozent höhere Realeinkommen und ist damit etwas optimistischer als die DZ-Bank. Einen noch stärker steigenden Anstieg prognostizieren RWI und IfW.

Ermöglicht wird der Einkommenszuwachs durch die steigende Beschäftigung. Jörg Lüschow, einer der Autoren der WestLB-Studie, bezeichnet es in diesem Zusammenhang als bemerkenswert, dass die Arbeitslosenzahl derzeit nur noch 50 000 höher ist als im Frühjahr 2001. „Damit besteht die Chance, dass der Trend einer immer weiter steigenden Sockelarbeitslosigkeit erstmals seit den 70er-Jahren gebrochen wird“, sagt Lüschow. Er rechnet damit, dass sich der Beschäftigungsaufbau bis weit ins Jahr 2008 fortsetzt – er folge der Ausweitung der Investitionen insbesondere zur Kapazitätserweiterung. Die Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre (Fordern und Fördern) verdienten im Nachhinein Lob: „Ihre Qualität konnte sich auch erst im Aufschwung zeigen.“

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