Konsum bleibt das Sorgenkind
Britisches Wachstum schwächt sich ab

Die Briten müssen sich für längere Zeit auf niedrigere Wachstumsraten einstellen. Die Regierungsprognose von mehr als drei Prozent ist nicht mehr realistisch und viele Volkswirte halten auch die Schätzung der Bank von England von 2,6 Prozent für zu optimistisch.

LONDON. Das Nationale Statistikamt revidierte am Freitag den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vom ersten zum zweiten Quartal von 0,4 auf 0,5 Prozent. Im Gegensatz zur Notenbank rechnen jedoch viele Experten nicht mehr mit einer kräftigen Belebung im zweiten Halbjahr.

Damit flacht in Großbritannien der von den Wirtschaftsreformen der Thatcher-Ära ausgelöste Boom ab. Seit Anfang der neunziger Jahre segelte die britische Wirtschaft flott voraus, während andere große Volkswirtschaften Europas in einer nicht enden wollenden Flaute dahindümpeln. 52 Quartale in Folge wächst die Wirtschaftsleistung auf der Insel nun schon (siehe Grafik). Eine Rezession ist nirgends in Sicht, doch die Wachstumsraten sind von rund einem Prozent auf ein halbes Prozent je Quartal abgeknickt.

„Ich kann nicht erkennen, warum es in der zweiten Jahreshälfte höhere Wachstumsraten geben sollte“, sagt Michael Saunders, Chefvolkswirt der Citigroup für Europa. Weder der private Konsum noch der Immobilienmarkt wiesen Anzeichen für eine Wende auf. Er sieht das BIP im laufenden Jahr um 1,9 Prozent steigen. Auch 2006 könne es nur dann das von der Bank von England erwartete Wachstum von 2,6 bis 2,7 Prozent geben, wenn diese die Zinsen kräftig senke.

Michael Hume, Volkswirt bei Lehman Brothers, sieht die Wachstumsrate sogar auf 1,7 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen – selbst wenn die Notenbank jedes Quartal die Leitzinsen um einen viertel Prozentpunkt senke. Damit würden die Briten auf das erwartete Niveau der Eurozone absinken.

Humes Pessimismus speist sich auch aus den für März erwarteten Steuererhöhungen. Er rechnet mit zehn Milliarden Pfund, was ein Prozent des BIP wäre. Schatzkanzler Gordon Brown habe keine andere Wahl, um den Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, und er werde wie in den vergangenen Legislaturperioden gleich im Jahr nach der Wahl zulangen, glaubt Hume.

Das aber wäre Gift für den Konsum. Er hat sich seit Ende des vergangenen Jahres im Gleichschritt mit den Häuserpreisen merklich abgekühlt und wächst nun so schwach wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Ausgaben der Haushalte sind im zweiten Quartal nur um 0,2 Prozent gestiegen.

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