Konsum
Der Weihnachtsmann spricht Polnisch

In Polen und der Ukraine muss der Weihnachtsmann dieses Jahr Überstunden machen. Während in allen anderen europäischen Ländern die Gabentische spärlicher gefüllt sein werden, schauen Ukrainer und Polen nicht aufs Geld und schenken, was die Geldbörse hergibt. Die Konsumenten lassen zum Fest die Kassen des Handels klingeln.
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BRESLAU. Trotz der noch lange nicht ausgestandenen Wirtschaftskrise wollen 44 Prozent der Ukrainer mehr für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Immerhin 2,3 Prozent mehr Geld soll dieses Jahr in den Kassen der Kaufhäuser und Konsumtempel in Kiew klingeln. Ein vergleichbares Plus ist sonst nur in Polen zu erwarten, so eine neue Studie der Unternehmensberatung Deloitte.

Die Polen sind derzeit das konsumfreudigste EU-Volk, auch zu Weihnachten: Während in Westeuropa mit um 7,3 Prozent sinkenden Weihnachtsausgaben gerechnet wird und in ganz Europa mit 4,4 Prozent, greifen die Polen tiefer in die Taschen. Schon im Oktober waren die Konsumausgaben in der größten Volkswirtschaft in Osteuropa um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Und Polens Konsumenten haben mit ihrer anhaltend starken Nachfrage auch dafür gesorgt, dass das Land als einziger EU-Staat in diesem Jahr Wachstum hat. Das Wirtschaftsministerium hat gerade seine Konjunkturprognose auf 1,5 Prozent hochgeschraubt, für 2010 rechnet die OECD für Polen mit einem Plus von 2,5, für 2011 sogar von 3,1 Prozent.

Problem Arbeitsmarkt

Die positiven Wirtschaftszahlen beflügeln Polens Konsumenten, obgleich im Oktober die Arbeitslosigkeit auf den neuerlichen Höchststand von 11,1 Prozent angestiegen war. Und auch im boomenden Einzelhandel läuft nicht alles glatt: Gerade hat das Wachdienst-Personal der polnischen Ikea-Läden per Twitter und Facebook die Käufer zum Konsumverzicht dort aufgerufen – als Protest gegen die unmöglichen Arbeitsbedingungen im unmöglichen Möbelhaus. Doch 78 Prozent der Polen lieben ihren Job, obwohl 40 Prozent mit ihrem Verdienst nicht einverstanden sind.

Deshalb steigen die Ausgaben für Geschenke in Polen eben pro Haushalt auch nur auf 175 Euro. In Deutschland sollen es laut der Deloitte-Erhebung trotz eines Minus von 3,6 Prozent immer noch 300 Euro sein. Und während im besonders krisengebeutelten Irland die Kauffreude zur Weihnacht mit 29,1 Prozent weniger Umsatz besonders stark nachlässt, werden sich in diesem Jahr die Gabentische in Luxemburg am tiefsten biegen: Trotz eines Rückgangs um vier Prozent sollen Luxemburger Familien mit Weihnachtsgeschenken im Wert von 690 Euro die neuen Europameister werden.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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