Konsum wird nach Ansicht von Experten belastet
Opel-Krise dürfte Verbrauchern aufs Gemüt schlagen

Volkswirte gehen davon aus, dass die drohenden Arbeitsplatzverluste beim Autobauer Opel und anderen Traditionsunternehmen die Stimmung der ohnehin schon verunsicherten Verbraucher in Deutschland zusätzlich belasten wird.

HB BERLIN. Andreas Rees von der Hypovereinsbank sagte, gesamtwirtschaftlich würden die Entlassungen zwar zunächst keine Rolle spielen: „Den negativen psychologischen Effekt würde ich aber als erheblich einstufen.“ Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes könnte zu einer weiteren Konsumzurückhaltung führen. „Der private Verbrauch wird sicher davon getroffen werden.“ Der Mutterkonzern von Opel, General Motors(GM), hat angekündigt, in Europa bis zu 12 000 Stellen zu streichen, den überwiegenden Teil davon in Deutschland.

„Opel, Karstadt, das waren Unternehmen mit einem guten Ruf als solider Arbeitgeber“, sagte Rees. Wenn diese Firmen nun Arbeitsplätze abbauen, dann stelle sich den Menschen die Frage: „Wie sicher ist mein Arbeitsplatz?“ Beim Warenhaus-Konzern Karstadt-Quelle sollen 5500 Stellen wegfallen. Manuela Preuschl von der Deutschen Bank sagte, die Stimmung der Konsumenten sei möglicherweise aber schon so miserabel, dass auch die schlechten Nachrichten sie kaum noch weiter herunterziehen könnten. Doch zusammen mit anderen Nachrichten wie den Sorgen um den Ölpreis befürchtet Rees einen negativen Effekt: „Das ist eine ganz unglückliche Gemengelage an Informationen, mit denen die Menschen gerade überflutet werden.“

Das von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) monatlich errechnete Konsumklima hatte sich zuletzt auf niedrigem Niveau stabilisiert. Grund dafür war der GfK zufolge die abflauende Debatte um die Hartz-IV-Reformen. Wegen der Konsumschwäche ist die nur vom Export getriebene Erholung an vielen Branchen in Deutschland bislang vorbeigegangen. So waren die realen Umsätze des Einzelhandels im August zwar zum Vormonat um 0,6 % gestiegen, hatten aber noch 0,6 % unter Vorjahresniveau gelegen. „Das ist ein Trauerspiel, in diesem Jahr hat sich nichts bewegt“, sagte Preuschl. Ein Umsatzminus mussten im August auch die deutschen Gastwirte und Hoteliers hinnehmen: Real nahmen sie zum Vormonat 1,6 % und zum Vorjahresmonat sogar 4,2 % weniger ein.

Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte, leider würden zurzeit positive Unternehmensmeldungen weitgehend ignoriert: „Es gab auch Viele, die sich in einem schwierigen Umfeld verbessert haben.“ Es führe kein Weg daran vorbei, dass sich Unternehmen anpassten oder vom Markt verschwänden. Genauso wie sich die Einsicht in die Notwendigkeit von Reformen erhöht habe, werde auch die aktuelle Krise verarbeitet werden. Für den Arbeitsmarkt zeichne sich bereits ab, dass sich die Lage zumindest nicht mehr verschlechtern werde.

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