Konsumbelebung
Ökonomen lässt die gestiegene Sparquote kalt

Die wieder steigende Bereitschaft der Bundesbürger zum Sparen bedeutet derzeit keine Gefahr für das Wirtschaftswachstum. Obwohl die Bundesbürger mehr Geld beiseite legen, rechnen die Institute mit einer Konsumbelebung im nächsten Jahr – denn insgesamt steht ihnen mehr Einkommen zur Verfügung.

DÜSSELDORF. Eine vorübergehend höhere Sparquote ist im Herbstgutachten und in der separaten Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das nicht mehr an der Gemeinschaftsdiagnose mitwirkt, eingepreist. Dennoch prognostizieren die Institute für 2008 – und das DIW auch für 2009 – einen kräftigen Anstieg der privaten Konsumausgaben. Sie würden damit zu einer wichtigen Stütze der Inlandskonjunktur.

Die positiven Aussichten für den privaten Verbrauch begründen die Konjunkturforscher mit der zunehmenden Beschäftigung und den stärker als in den vergangenen Jahren steigenden Löhnen. Gleichzeitig müssen die Arbeitnehmer für Sozialversicherungen unter dem Strich weniger Beiträge zahlen, was das verfügbare Einkommen zusätzlich stärkt.

Nach dem Herbstgutachten werden die Konsumausgaben in laufenden Preisen 2008 wieder stärker steigen als die verfügbaren Einkommen. Gleichzeitig werde die Sparquote etwas auf 10,7 Prozent zurückgehen. Dies entspräche in etwa dem Durchschnitt der Jahre seit 1991. Im Boomjahr 2000 hatte die Sparquote mit 9,2 Prozent im Zuge der Internetblase den bisher tiefsten Stand seit der Einheit erreicht.

Im ersten Halbjahr 2007 ist die Sparquote auf saisonbereinigt 10,9 Prozent gestiegen von 10,4 Prozent im zweiten Halbjahr 2006, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des heutigen Weltspartags mitteilte. Dieser Anstieg ist für den Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide, ein „Reflex“ auf die im vergangenen Jahr vorgezogenen Anschaffungen. Die Bürger hatten damit insbesondere bei teuren Gütern wie Autos und Möbeln sowie bei Bauinvestitionen der Mehrwertsteueranhebung zu Beginn dieses Jahres entgehen wollen.

Die privaten Konsumausgaben, aber auch Bauinvestitionen waren deshalb 2006 stärker gestiegen als die verfügbaren Einkommen, die Sparquote – mit der zweiten Stelle hinter dem Komma – war im Gegenzug leicht gesunken, beinhaltet allerdings auch die privaten Investitionen insbesondere im Wohnungsbau abzüglich Abschreibungen. Diese Nettoinvestitionen sind nach der Finanzierungsrechnung der Bundesbank 2006 um fast neun Mrd. Euro geklettert. In den Jahren 2002 bis 2005 mit mehr oder weniger stagnierender Konjunktur hatten die privaten Haushalte dagegen ihre Konsumausgaben nicht entsprechend ihrer Einkommenszuwächse erhöht, ihre Nettoinvestitionen reduziert und Geldvermögen aufgestockt.

Derzeit stellt der starke Preisanstieg bei Energie und einigen Lebensmitteln ein Risiko für eine rasche Belebung der Konsumausgaben dar. Scheide vom IfW schließt deshalb nicht aus, „dass sich die Normalisierung der Sparquote eventuell verzögern könnte“. Große Hoffnungen, dass die Sparquote kräftig sinkt, haben die Institutsökonomen aber ohnehin nicht, schon weil sich 2008 nochmals die Förderung der Riester-Rente erhöht. Roland Döhrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, erläutert: „Den Bürgern wird zu Recht seit Jahren nahe gelegt, für das Alter privat vorzusorgen. Dies ist als Beitrag zur Bewältigung der demographischen Probleme auch unverzichtbar. Und falls dies zu einem Anstieg der Sparquote führt, ist dies auch politisch gewollt.“

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