Konsumklima
GfK: Stärkstes Konsumklima seit Jahresbeginn

Die Marktforscher der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sagen für September das stärkste Konsumklima seit Jahresbeginn voraus. Grund für dien Optimismus der deutschen Verbraucher sind nicht nur die sinkenden Preise.
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HB BERLIN. Der entsprechende Index der GfK steige auf 3,7 Punkte nach 3,4 Zählern im August, teilten die Experten am Donnerstag mit. Analysten hatten im Schnitt mit diesem Wert gerechnet. Die Forscher warnten aber vor allzu großem Optimismus: „Ob dieser positive Trend auch künftig anhalten wird, hängt davon ab, inwieweit sich der Arbeitsmarkt im Verlauf des Jahres eintrübt. Ein starker Anstieg der Erwerbslosigkeit würde sicherlich auch das Konsumklima belasten.“ Zudem liegt das Barometer trotz der jüngsten Anstiege noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von neun Punkten.

Die Verbraucher schätzten nach dem Ende der Rezession die Aussichten für die deutsche Wirtschaft den fünften Monat in Folge besser ein. Das entsprechende Barometer stieg im August um 6,5 Zähler auf minus 7,5 Punkte. Damit liegt es mehr als 14 Punkte über dem Vorjahresstand. Schon im Frühjahr hatte der private Konsum, beflügelt durch sinkende Preise und die Abwrackprämie für Altautos, die Wirtschaft gestützt. Fachleute erwarten für das laufende Sommerquartal eine noch stärkere Belebung der Konjunktur.

Angesichts der günstigeren Lebenshaltungskosten und der Entlastungen aus dem Konjunkturpaket schätzten die Umfrageteilnehmer ihre Einkommensaussichten erneut günstiger ein; der entsprechende Index legte sieben Punkte auf 8,8 Zähler zu. Den Konsumenten bleibe wegen der stabilen oder sogar sinkenden Preise mehr Geld im Portemonnaie, zudem profitierten sie von Entlastungen bei der Krankenversicherung oder der Einkommenssteuer. „Diese Entwicklungen überlagern im Moment offenbar mögliche Ängste um den Arbeitsplatz.“ In der Folge stieg auch die Bereitschaft zu Anschaffungen weiter; das Barometer stieg auf 31,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 2006.

„Wir als GfK hatten in den vergangenen Monaten wiederholt hingewiesen, dass wegen der fallenden Preise und des bislang ausgebliebenen Einbruchs am Arbeitsmarkt die Konsumstimmung der Krise trotzen könnte“, sagte der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Die Konsumenten würden nämlich weiterhin verstärkt auf ihr eigenes Budget schauen und die Krise ein Stück weit verdrängen. „Wegen der niedrigen Preise sind die Signale weiterhin durchaus positiv.“

Derzeit überwiege bei den Verbrauchern die Wahrnehmung stabiler und in weiten Bereichen sogar eher sinkender Preise, sagte Bürkl weiter. Dabei werde das Thema Arbeitslosigkeit vor dem Hintergrund der derzeit noch stabilen Lage auf dem Arbeitsmarkt offenbar „etwas in den Hintergrund gedrängt“. Bisher sei durch „die intensive Nutzung der Kurzarbeit ein starkes Ansteigen der Arbeitslosigkeit vermieden worden“. Außerdem sei auch die Sorge vor einem Verlust der Arbeitsstelle „nicht übermäßig angestiegen“. Für Bürkl ist das „ein wesentlicher Grund, dass die Verbraucherstimmung zuletzt trotz der Krise zulegen konnte“.

Zudem würden auch die staatlichen Hilfspakete bei der derzeit stabilen Stimmung der Verbraucher eine Rolle spielen, so der GfK-Experte. Neben der fehlenden Inflation habe die Abwrackprämie, die Senkung des Beitrags für die Krankenversicherung und Entlastungen bei der Einkommensteuer positive Effekte auf die Lohn- und Gehaltsentwicklung und die Kaufkraft. Hinzu komme auch ein psychologischer Aspekt: „Die Verbraucher sehen, dass der Staat mit den Konjunkturprogrammen versucht, aktiv der Krise entgegenzuwirken.“

Tatsächlich hat die Abwrackprämie für Altautos im ersten Halbjahr 2009 den privaten Konsum in Deutschland gestützt. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gaben die Bundesbürger in den ersten sechs Monaten für den Autokauf rund 36 Milliarden Euro und damit 23 Prozent mehr aus als vor einem Jahr. Der gesamte private Konsum steigerte sich um 0,1 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008, wie das Amt am Donnerstag mitteilte. Ohne die Auto-Subvention wäre er um 1,0 Prozent gesunken. Die Auswirkung blieb damit aber geringer als beispielsweise 2006, als die Bürger wegen der bevorstehenden Erhöhung der Mehrwertsteuer große Anschaffungen vorzogen.

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