Kontroverse Diskussion
Zinssenkung – ein Thema kehrt zurück

Der starke Euro hat dazu geführt, dass prominente Ökonomen erstmals seit einem halben Jahr wieder ernsthaft über das Für und Wider einer Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) diskutieren.

HB FRANKFURT/M. Fünf der derzeit 17 Mitglieder des EZB-Schattenrats – eines internationalen Expertengremiums, das sich gestern in Frankfurt traf – forderten die EZB auf, mit einer Zinssenkung dem wachstumsdämpfenden Effekt der Aufwertung entgegenzuwirken. Zwei Mitglieder rieten dem EZB-Rat, der sich am kommenden Donnerstag trifft, den maßgeblichen Leitzins von derzeit 2,00 Prozent anzuheben. Die Mehrheitsempfehlung an die EZB lautete, den Leitzins am kommenden Donnerstag unverändert bei zwei Prozent zu belassen.

Die Schattenräte senkten sowohl ihre Wachstumserwartungen als auch ihre Inflationsprognosen. Im Durchschnitt erwarten sie für 2005 nur noch ein Wachstum von 1,7 Prozent. Die Inflation sehen sie 2005 bei 1,8 Prozent.

Einen Hinweis, dass die EZB die Konjunkturaussichten positiver einschätzt, gab gestern das spanische EZB-Ratsmitglied Jaime Caruana. „Das Wachstum wird 2005 nicht viel höher sein als zwei Prozent“, sagte Caruana im spanischen Parlament.

David Walton, Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, bezeichnete die Dollar-Abwertung als wünschenswert, damit die USA ihren hohen Importüberschuss korrigieren könnten. Deshalb solle die EZB sich nicht dagegenstemmen, sondern durch eine kräftige Zinssenkung die Auswirkungen abfedern. „Zinssenkungen würden die ohnehin schon zu große Liquidität nur noch weiter aufblähen“, hielt Joachim Fels von Morgan Stanley dem entgegen. Da der Dollar ohnehin schon deutlich unter- und der Euro überbewertet sei, hält er Interventionen am Devisenmarkt für angezeigt.

„Eine Zinserhöhung in Europa würde den schon überbewerteten Euro noch weiter nach oben treiben“, begründete Fels, warum er erstmals seit Mai nicht mehr für höhere Leitzinsen eintritt. „Wenn der Euro weiter steigt, sollte die EZB Dollar aufkaufen“, forderte Fels. Im Gegensatz etwa zum Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, Martin Hüfner, der Interventionen für aussichtslos hält, ist Fels überzeugt, dass sie wirken. John Llewellyn pflichtete Fels bei. „Wenn Interventionen wirklich nicht wirkten, wären unsere Devisenhändler nicht so extrem interessiert an jedem Wort, das Zentralbanker zu den Wechselkursen sagen“, plauderte der Chefvolkswirt der Investmentbank Lehman Brothers aus dem Nähkästchen.

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