Korea nach der Asienkrise
Gefahren für den Musterschüler

Erinnern Sie sich noch an die Asienkrise? Kaum? Dann befinden Sie sich in Südkorea in bester Gesellschaft. Zehn Jahre nach dem Crash sind die Konzerne wieder gut im Geschäft und die Börsianer feierten jüngst das Allzeithoch des Aktienindex Kospi. Doch trotz aller Euphorie – dem Land der Morgenstille könnte schon bald neues Ungemach drohen.

SEOUL. Das einstige Schwellenland Südkorea, eingekeilt zwischen der etablierten Technologiegroßmacht Japan und dem chinesischen Wirtschaftswunder, hat die Flucht nach vorne ergriffen und sich zehn Jahre nach der Asienkrise erstaunlich gut erholt. Autos, Schiffe und High-Tech made in Korea strömen weiter auf die Weltmärkte, der Aktienindex Kospi ist da, wo der der Dax noch hin will: auf einem Allzeithoch.

Heute kann Südkorea entspannter auf die Krise zurückblicken als die meisten anderen betroffenen Nationen. Am 2. Juli 1997 hatte der Crash auf den Finanzmärkten begonnen und zog schnell weite Kreise. Die Notenbank Thailands hatte damals den Wechselkurs des thailändischen Baht, der bis dahin fest an den US-Dollar gekoppelt war, freigegeben. Thailands Währung verfiel innerhalb kürzester Zeit drastisch. Die Asienkrise begann und riss ganz Südostasien sowie Hongkong und Südkorea in den Abgrund. Viele Probleme waren hausgemacht, die Ursachen vielschichtig.

In Südkorea führten gleich mehrere Faktoren zum GAU: Eine Überbewertung der koreanischen Währung Won, Banken, die ihr Kreditportfolio nicht unter Risikoaspekten beurteilten und die Macht der Chaebols, der koreanischen Riesenkonglomerate. Die undurchsichtigen Strukturen der Chaebols und zum Teil betrügerische Buchführung wie im Fall Daewoo zeigten, dass das professionelle Know-How an vielen Ecken fehlte.

„Es gab eine Krise des gesamten Wirtschaftmodells Korea“, sagt Bernhard Seliger, Korea-Experte und Leiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Seoul. Das Wachstum des einst bitteramen Staates gründete sich vor allem auf zwei Prinzipien: der staatlichen Lenkung der Wirtschaft sowie einer konsequenten Exportorientierung. „Es wurden unkontrolliert Schulden aufgenommen, die in nicht lebensfähige Projekte flossen. Als dann das Vertrauen der Anleger durch die Krise in Thailand erschüttert war, wurde das Kapital massiv abgezogen.“ Auch westliche Investoren waren mitverantwortlich. Sie hatten bedenkenlos Kredite vergeben - schließlich galt Asien als Finanz-Eldorado.

Bereits im November 1997 stand Südkorea kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Außenschulden beliefen sich auf 120 Mrd. US-Dollar, wovon alleine 66 Mrd. aus kurzfristigen Krediten bestanden. Über 10 000 koreanische Unternehmen gingen in der Krise Konkurs und über die Hälfte aller Banken musste wegen zu geringer Eigenkapitalbasis geschlossen werden. Die Bürger standen Schlange, um aus freien Stücken ihre Ringe und goldenen Uhren, Hals- und Armbänder zur Füllung der Staatskassen abzuliefern.

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