Korruption
Nigerias Zentralbankchef greift hart durch

Unmittelbar nach seiner Berufung hat Lamido Sanusi mit dem Großreinemachen in der nigerianischen Bankenszene begonnen. Zehn CEOs von Banken und Dutzende Direktoren ließ der Zentralbankchef kurzerhand absetzen. Die Liste der Bankiers reichte Sanusi weiter an die Behörde zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität.
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ABUJA. Nigerianer haben ihrem Zentralbankchef einen Spitznamen gegeben: Der Name "Sanusi" erinnert sie entfernt an einen Sanitär-Reiniger. Denn Lamido Sanusi hat unmittelbar nach seiner Berufung zum Gouverneur der nigerianischen Zentralbank im Frühsommer mit dem Großreinemachen begonnen. "Es ist äußerst wichtig, dass wir das Vertrauen zurückgewinnen, wollen wir auf internationaler Ebene mitspielen", sagte Sanusi, nachdem er zehn CEOs nigerianischer Banken und Dutzende Direktoren kurzerhand absetzen ließ. Die Liste der Bankiers und säumigen Schuldner - die auf korrumpierte Art verstrickt waren - reichte Sanusi weiter an die Behörde zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Diese ermittelt, ob grob fahrlässiges oder gar kriminelles Verhalten verantwortlich für das Anhäufen von rund fünf Milliarden US-Dollar an faulen Krediten ist.

Bankenchefs bislang unantastbar

Die Nigerianer waren erstaunt, dass die als unantastbar geltenden Bankenbosse und schillernden Geschäftsleute dem Haftrichter vorgeführt wurden. Fast vier Milliarden US-Dollar pumpte die Zentralbank Nigerias auf Veranlassung Sanusis in angeschlagene Banken.

War die weltweite Finanzszene anfangs zuerst erstaunt bis befremdet über die drastische Maßnahme von Sanusi, Führungsspitzen der Banken abzusetzen, so kommen jetzt zunehmend lobende Worte und Zustimmung von Weltbank, IWF und internationalen Banken. Florian Maurice Witt von der Commerzbank Vertretung in Lagos: "Sanusi hat dazu beigetragen, dass die Banken nun wieder ausreichend Eigenkapital haben, um Verluste aus den Spekulationsgeschäften zu verkraften."

Noch wichtiger aber wird für Zentralbankchef Sanusi sein, das Kapital dieser Banken für Ausländer zu öffnen und oder lokale Fusionen möglich zu machen. Das hätte den Vorteil, dass weniger Banken im Markt arbeiten und weniger kompetitiv agieren. In der Tat ist es Sanusis erklärtes Ziel, das Selbstverständnis der Banken in einem der größten Finanzmärkte Afrikas neu zu gestalten.

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