Kosten werde übernommen
Welteke und Bundesbank zahlen Rechnung

Ernst Welteke wird die Kosten für zwei Übernachtungen im Berliner Luxushotel Adlon selbst zahlen, für den dienstlichen Teil der Silvester-Veranstaltung 2001/2002 zur Einführung des Euro werde die Bundesbank aufkommen.

HB FRANKFURT/MAIN. Bundesbank-Präsident Ernst Welteke hat angesichts seines umstrittenen Hotel-Aufenthalts in Berlin „Missverständnisse“ eingeräumt und die Rechnung nachträglich durch die Bundesbank und aus eigener Tasche begleichen lassen. „Die Überweisungen an die Dresdner Bank sind heute erfolgt“, teilte Welteke am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit. Ein Fehlverhalten räumte der 61-Jährige nicht ein. Unterdessen erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin, dass die Bundesregierung durch drei anonyme Briefe von den Vorwürfen erfahren habe.

Welteke hatte bereits am Wochenende bestätigt, zusammen mit seiner Familie den Jahreswechsel der Euro-Einführung 2001/2002 auf Kosten der Dresdner Bank im Berliner Luxushotel Adlon verbracht zu haben. Er sei bewusst davon ausgegangen, dass die Reise nicht von ihm selbst bezahlt würde. „Die Dresdner Bank bot mir an, die Reservierung des Hotels einschließlich der dort anfallenden Kosten zu übernehmen“, berichtete Welteke in der Erklärung.

Kritiker halten Welteke einen Interessenkonflikt vor, weil die Deutsche Bundesbank gemeinsam mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Bankenaufsicht in Deutschland zuständig ist. Außerdem hätte Welteke als Beamter ein solches Geschenk nicht annehmen dürfen. Die Kosten für den Silvester- Aufenthalt sollen 7661,20 € betragen haben. Welteke zählt mit einem Jahresgehalt von rund 350 000 € zu den am besten bezahlten Beamten in Deutschland.

Eine Prüfung der Bundesbank habe ergeben, dass sie angesichts der auch für sie „besonderen Bedeutung der Euro-Bargeldeinführung“ den dienstlichen Anteil der Veranstaltung im Umfang von zwei Tagen übernehme. Welteke selbst werde die verbleibenden zwei Übernachtungen zahlen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte berichtet, dass Welteke für vier Nächte eine Suite für sich und seine Frau im Adlon gebucht hatte. Hinzu sei noch ein Deluxe-Zimmer für seinen 25- jährigen Sohn und dessen Freundin gekommen, die wiederum als Babysitter auf Weltekes damals dreijährigen Sohn aufpassen sollten.

Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, den Sachverhalt selbst könne nur der Betroffene aufklären. Die Regierung habe keine Aufsichtsfunktion über die Bundesbank. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sei informiert worden, betonte Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth. Unklar war zunächst, ob möglicherweise von der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Welteke wegen Verstoßes gegen das Bundesbeamtengesetz eingeleitet wird.

Der Bund der Steuerzahler fordert Bundesbank-Chef Ernst Welteke zum Rücktritt auf, falls Welteke gegen das Beamtenrecht verstoßen habe. *Wenn Welteke gegen beamtenrechtlichen Grundsätze verstoßen hat, muss er die Konsequenzen ziehen", sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz Däke, dem Tagesspiegel (Dienstausausgabe). Däke begrüßte die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft: *Wenn kleine Beamte zur Verantwortung gezogen werden, darf man das Verhalten Weltekes nicht unter den Teppich kehren."

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