Kostenlawine
DIHK: Rekordölpreis gefährdet 200 000 Arbeitsplätze

Nach Wirtschaftsminister Glos schlägt nun auch die deutsche Industie Alarm: Der DIHK befürchtet angesichts der hohen Ölpreise Einbußen beim Wirtschaftswachstum und den Verlust Tausender Arbeitsplätzen in Deutschland.

HB KÖLN. "Die aktuelle Ölpreisentwicklung könnte rund 0,5 Prozent des Wachstums kosten", sagte der Hauptgeschäftsführer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Martin Wansleben, im ARD-Morgenmagazin. "Das sind rein rechnerisch 150 000 bis 200 000 Arbeitsplätze", erklärte er.

Zugleich warnte Wansleben vor Panik. Zur derzeitigen Lage erklärte er, Deutschland sei als Exportnation "ein bisschen der Gewinner". "Wir sind die besten Lieferanten für diejenigen, die das Erdöl liefern, also für Russland und die arabischen Staaten. Deswegen ist Deutschland unmittelbar nicht in dem Ausmaß betroffen. Aber insgesamt ist ganz klar: Unsere anderen Kunden werden genauso Schwierigkeiten haben wie wir im Inland. Und hier im Inland sind vor allem diejenigen betroffen, wo wir als Verbraucher uns dann zurückhalten. Denn je mehr wir bezahlen müssen für Sprit, für Heizung, desto weniger geben wir aus für Kleidung, Autos oder Urlaub."

Von der Kostenlawine sei jedes Unternehmen betroffen, sagte Wansleben. "Deshalb ist wichtig, diese Kostenlawine nicht zu Unkosten werden zu lassen." Als Beispiel nannte Wansleben zu hohe Lohnforderungen.

Für dieses Jahr rechnet Wansleben mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2,3 Prozent in Deutschland. "In diesem Jahr sind die Auftragsbücher noch voll. Insofern sollten wir jetzt keine Panik machen, so schwierig im Einzelfall jetzt die Situation wird. Nur im nächsten Jahr ist es sicherlich so, dass wir froh sein werden, wenn wir eine Eins vor dem Komma haben."

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sieht Arbeitsplätze gefährdet. Er warnte die Unternehmen vor allem davor, die hohen Energiekosten an die Kunden weiterzugeben: "Die Hauptgefahr besteht darin, dass Preissteigerungen, die wir jetzt bei Einzelprodukten beklagen, in einen breit angelegten Inflationsprozess münden. Das wäre in der Tat die schlimmste Folge", sagte Glos dem Handelsblatt.

Jede Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus wirke in voller Breite "unsozial und mittelfristig beschäftigungsvernichtend". Neben den Unternehmen trügen auch Arbeitgeber und Gewerkschaften Verantwortung. "Auch unsere Tarifparteien müssen ihren Beitrag leisten, indem sie nicht Kompensation für Preissteigerungen fordern, für die eine echte Kompensation nicht möglich ist", sagte Glos.

Grundsätzlich könne die Bundesregierung wenig gegen die Preisexplosion auf den Energiemärkten ausrichten. Staatliche Hilfen gegen die Preisentwicklung lehnte Glos ab: "Wer meint, man könne dagegen ansubventionieren, betreibt Augenwischerei auf Kosten der Steuerzahler - mit langfristigen Folgeschäden für Wachstum und Beschäftigung", sagte er.

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