Kredit- und Immobilienmärkte geben Anlass zur Sorge
Banker fürchten eine Welt voller Blasen

Finanzexperten und Zentralbanker fahren nicht ohne Sorgen zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington. Zwar sei das Weltfinanzsystem kurzfristig so robust und widerstandsfähig wie lange nicht mehr, heißt es im jüngsten Finanzmarkt-Stabilitätsbericht des Fonds.

mm/rob FRANKFURT. Mittelfristig drohten allerdings erhebliche Risiken. Vor allem die hoch liquiden Kreditmärkte, die historisch niedrigen Zinsen und die geringen Risikoaufschläge beunruhigen die Experten. Eine Sorge ist, dass die Banken zu freigiebig Kredite vergeben – zum Beispiel für riskante Firmenübernahmen. Der Trend zu kreditfinanzierten Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften, so genannten Leveraged Buy Outs, hat zu einer Rekordverschuldung der übernommenen Unternehmen geführt. „Es besteht die Gefahr, dass sich die Banken heute die Problemkredite von morgen in die Bücher legen“, warnt John Jetter, Deutschlandchef der Großbank JP Morgan Chase. „Wenn die Rechnung der Beteiligungsgesellschaften nicht aufgeht, könnte dies zu einer Kettenreaktion und Abschreibungen in Milliardenhöhe bei den Banken führen.“

Die Kreditblase ist nicht das einzige prekäre Ungleichgewicht: Auch am Anleihemarkt bestehe nach den massiven Kursgewinnen in den vergangenen Jahren die Gefahr von Übertreibungen, sagt ein Mitglied der deutschen IWF-Delegation. In der Euro-Zone bewegen sich die Renditen am Rentenmarkt noch immer auf historischen Tiefständen. Und in den USA liegen die Kapitalmarkzinsen gemessen an Wachstumspotenzial und Inflationsrate ebenfalls noch immer zu niedrig. Daran hat auch die Serie moderater Zinserhöhungen durch die Notenbank nichts geändert. Zuletzt hob die Fed den Leitsatz gestern Abend um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent an. Selbst Notenbankchef Alan Greenspan, dem „Schutzheiligen der Finanzmärkte“, sind die niedrigen Renditen am Rentenmarkt „ein Rätsel“.

Dabei haben die Zentralbanken mit der global außerordentlich großzügigen Liquiditätszufuhr selbst ihren Teil zur Erhitzung des Rentenmarkts beigetragen. Ein großer Teil der Liquidität floss in Anleihen. Dafür dürften nicht zuletzt Großbanken und Hedge Fonds gesorgt haben, für die so genannte Carry Trades über viele Monaten hinweg ein lukratives Geschäft waren. Dabei nehmen die Investoren Geld zu niedrigen kurzfristigen Zinsen auf, um es zu höheren langfristigen Sätzen anzulegen.

Eine weitere Blase bereitet den internationalen Finanzexperten womöglich aber noch mehr Kopfzerbrechen: Der Boom am US-Immobilienmarkt steht nach Meinung vieler Analysten vor dem Ende. Bereits in diesem Jahr drohe ein Preiseinbruch, warnt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank (HVB). Auch andere Experten rechnen mit einer deutlichen Abkühlung des Immobilienmarktes – oder gar mit einem Platzen der Spekulationsblase.

Der bislang stetige Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt ist ein zentraler Grund für die massiven Zuwächse beim privaten Konsum in den Vereinigten Staaten: Die Verbraucher nutzen die höheren Hauspreise, um ihre im Wert steigenden Immobilien mit immer höheren Krediten zu belasten. Eine deutliche Abkühlung oder gar eine abrupte Korrektur gilt als große Gefahr für die amerikanische Konjunktur. Da die USA neben Asien aber die wichtigste Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft sind, droht eine plötzliche Korrektur in den Vereinigten Staaten die gesamte globale Ökonomie zu belasten.

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