Kredite
US-Notenbank fährt Rettungsmaßnahmen zurück

Die Fed kürzt die Laufzeit traditioneller Liquiditätskredite für Geschäftsbanken auf 28 Tage. Zuvor hatte sie bereits andere Hilfsprogramme reduziert oder auslaufen lassen. Beobachter sehen in der Maßnahme der Notenbanker ein ermutigendes Zeichen. Warum es aber zu früh für Optimismus ist.
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NEW YORK. In den USA zieht sich die Notenbank Schritt für Schritt wieder aus der Krisenintervention zurück. Die Laufzeit von Krediten, die Geschäftsbanken am sogenannten Discount Window erhalten, werde zum 14. Januar wieder auf 28 Tage von zuletzt 90 Tagen gekürzt, teilte die Fed gestern mit. Als Grund nannte sie eine "anhaltende Verbesserung der Stabilität des Finanzsystems".

Traditionell lag die Laufzeit dieser kurzfristigen Liquiditätshilfen der Fed für Banken bei nur einer Nacht. Als eine der ersten Maßnahmen gegen die Bankenkrise war die Dauer der Darlehen im August 2007 auf 30 Tage und dann im März 2008 auf 90 Tage heraufgesetzt worden. So wollte die Fed die angespannte Liquiditätslage der Institute verbessern und Ruhe in den Markt für Interbankenkredite bringen.

Die Fed will weitere Bankpleiten verhindern

Beobachter sehen in der Maßnahme der Notenbanker ein ermutigendes Zeichen, warnen aber vor zu viel Optimismus: "Da der Markt signalisiert hat, dass er die Maßnahme nicht mehr braucht, fahren sie sie zurück", sagte Lou Crandall, Chefvolkswirt bei Wrightson ICAP LLC, der Agentur Bloomberg. "Aber sie behandeln den Markt wie ein rohes Ei", fügte er mit Blick auf die immer noch ungewöhnlich lange Dauer der Darlehen hinzu.

Die Fed hat seit Beginn der Finanzkrise mehr als eine Billion Dollar in den Markt gepumpt. Dabei stieg ihre Bilanzsumme von rund 800 Milliarden Dollar auf zuletzt 2,1 Billionen Dollar. Kritiker befürchten, ein Abbau der Bilanz könne die Märkte erneut in Turbulenzen stürzen. Dem hält Fed-Chef Ben Bernanke entgegen, allein durch das Auslaufen von Hilfsmaßnahmen würden sich die Bestände der Notenbank langsam verringern.

So reduzierte die Fed bereits die Kreditvergabe an Banken unter der sogenannten Term Auction Facility (TAF). Dies führte zu einem Abschmelzen der ausstehenden Kredite auf zuletzt knapp 110 Milliarden Dollar von fast 500 Milliarden Dollar im März. Auch andere Hilfsprogramme, wie etwa die Unterstützung für Geldmarktfonds, wurden reduziert oder liefen ganz aus.

Wirtschaft erholt sich nur langsam

Die Fed hat aber offenbar nicht ohne Grund die Laufzeit der Kredite am Discount Window bei 28 Tagen belassen. Denn auch wenn sich die Situation für Banken insgesamt entspannt hat, sind in diesem Jahr bereits 123 Institute pleitegegangen. Das ist die höchste Zahl von Bankinsolvenzen seit 1992.

Insgesamt erholt sich die Wirtschaft nur langsam von der Krise. So ist die Industrieproduktion im Oktober gegenüber September um 0,1 Prozent gestiegen, wie die Fed mitteilte - weniger stark als erwartet. Volkswirte hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte die Produktion noch um revidiert 0,6 Prozent zugelegt.

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  • Eine ehrliche bilanzbereinigung bringt den Globalen Finazsektor zum Einsturz. Das Land ist seit 6/03 rechnerisch Pleite, aber es wird so getan als ob wie immer alles OK sei. Der Knaller steht vor der Tür, aber es interessiert niemanden auf der Welt.

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