Kreditinstitute
Lautes Gezerre um die stillen Einlagen

Die Bundesbank kämpft um eine großzügige Anerkennung hybriden Kapitals bei den neuen Eigenkapitalvorschriften für die deutschen Banken. Diese Forderung findet allerdings im international besetzten Baseler Ausschuss wenig Unterstützung. Bundesbankdirektor Erich Loeper warnt vor einer Überregulierung der Banken.
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MAINZ. Die Bundesbank will weiter für deutsche Sonderinstrumente bei den neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken kämpfen. "Wir bleiben dabei", sagte Bundesbankdirektor Erich Loeper gestern am Rande einer Handelsblatt-Veranstaltung in Mainz. Dabei erfahre die deutsche Forderung, Hybridkapital auch künftig in größerem Umfang als Eigenkapital anzurechnen, kaum Unterstützung der anderen Mitglieder im Baseler Ausschuss. Das mit Notenbankern und Regulatoren besetzte internationale Gremium ringt um härtere Aufsichtsregelungen für die Kreditwirtschaft. Loeper warnte davor, die Banken jetzt überzuregulieren.

Dramatisch verknapptes Kreditvolumen befürchtet

Die Opposition des für Finanzaufsichtsfragen zuständigen Bundesbankers macht deutlich, welche drastischen Auswirkungen der heimischen Branche durch die bisherigen Vorgaben der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) drohen. Diese sehen unter anderem vor, dass hybride Instrumente wie stille Einlagen künftig nur noch in weitaus geringerem Maß als Eigenkapital zählen. Gerade in Deutschland sind diese Eigenmittelformen jedoch weit verbreitet. "Das wird die schwerwiegendsten Auswirkungen auf Banken haben", warnte Loeper auf der Handelsblatt- Veranstaltung "Bankenaufsicht". "Wir von der Bundesbank haben hier ein Problem." Man werde deshalb dafür kämpfen, stille Einlagen auch künftig anzuerkennen.

Die heimischen Sparkassen haben bereits gewarnt, dass die Vorhaben zu einer dramatischen Verknappung des Kreditvolumens führen werden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband DSGV etwa rechnet mit dem Wegfall von Eigenkapital in hoher zweistelliger Milliardenhöhe. Auch die private Kreditwirtschaft befürchtet deutliche Einschnitte. Sollten die Pläne in vollem Umfang umgesetzt werden, werde es sicher zu einer Einschränkung der Geschäftsmodelle kommen, sagte Dirk Jäger, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), gestern. Auswirkungen auf die Volkswirtschaft seien unvermeidbar. Die Notenbanken wollen dazu ab Anfang kommenden Jahres eine umfassende Studie erstellen.

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