Kreditklemme
EZB prüft Senkung des Einlagezinses

Die Europäischen Zentralbank könnte nach den Worten ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet schon bald den Zinssatz für Bankeinlagen senken, um den Geldmarkt wieder in Gang zu bringen. Eine Kreditklemme in der Eurozone mag Trichet indes nicht erkennen.

HB FRANKFURT. „Das ist eine Idee, die derzeit geprüft wird“, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montagabend auf einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die EZB hatte Anfang Oktober den aus Spitzenrefinanzierungs- und Einlagefazilität bestehenden sogenannten Zinskorridor um ihren Leitzins von 200 auf nur noch 100 Basispunkte verengt. Seitdem ist es für Banken relativ lukrativ, Geld über Nacht bei der EZB zu parken. Die EZB hat somit de facto die Rolle eines Verteilers von Geld am ansonsten nahezu zum Erliegen gekommenen Geldmarkt übernommen.

Dies war zuletzt vielfach kritisiert worden. Die auf dem Höhepunkt der Krise im Oktober beschlossene Maßnahme der Notenbank läuft mindestens bis zum 20. Januar. Die Summe der bei der EZB für einen Tag angelegten Gelder war Anfang November bis auf knapp 300 Milliarden Euro geklettert und noch Anfang dieser Woche hatten die Geschäftsbanken knapp 180 Milliarden Euro bei der EZB geparkt.

In normalen Zeiten legen die Banken nur im äußersten Notfall überschüssiges Geld über Nacht bei der EZB an, da sie von anderen Banken höhere Zinsen bekommen. Das gegenseitige Misstrauen unter den Kreditinstituten wegen der Finanzkrise hat diesen Kreislauf in den vergangenen Monaten massiv gestört.

Trichet sagte zwar, er sehe vorsichtige Anzeichen für eine Entspannung an den Geldmärkten. Allerdings seien die Risikoaufschläge für den Geldhandel der Banken untereinander im Vergleich zum Zins der Notenbank weiterhin „viel, viel, viel höher“ als vor Beginn der Krise. Eine Kreditklemme in der Eurozone sieht der EZB-Präsident nicht: „Alle vorhandenen Daten zur Geldmenge und zur Kreditvergabe signalisieren keine Kreditklemme.“ Die EZB werde jedoch weiterhin alles tun, um eine Liquiditätskrise zu vermeiden und pragmatisch und realistisch agieren. Man habe mit einer Reihe von Maßnahmen dazu beigetragen, die Spannungen zu vermindern. „Ein Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB ist aber derzeit überhaupt nicht angemessen“, sagte Trichet. Er wolle derartige Maßnahmen, wie sie in den USA diskutiert werden, jedoch nicht generell für alle Zeiten ausschließen.

Zur bevorstehenden Zinsentscheidung im Januar wollte sich Trichet nicht äußeren. „Es gibt keine neuen Erkenntnisse seit der Zinsentscheidung Anfang Dezember. Man müsse zunächst alles dafür tun, dass die bisherigen Zinssenkungen in der Realwirtschaft ankommen. Die Notenbank hatte Anfang des Monats den Leitzins von 3,25 auf 2,5 Prozent gesenkt – so stark wie noch nie. Die Zinssenkungen in den vergangenen drei Monaten haben laut Trichet ein historisches Ausmaß erreicht. Er verwies jedoch darauf, dass die nominalen Zinsen auch zu tief fallen können. Einen konkreten Zinssatz wollte er jedoch nicht nennen. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte zuletzt davor gewarnt, den Leitzins unter zwei Prozent fallen zu lassen.

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