Kreditvolumen stark gestiegen
Geldmenge erhöht Druck auf die EZB

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird auf seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause am Donnerstag voraussichtlich schärfere Töne in der Geldpolitik anschlagen.

FRANKFURT/M. Die Experten gehen zwar einhellig davon aus, dass keine sofortige Zinsänderung zur Debatte stehen wird. Doch auf Grund der im Juli noch einmal deutlich gestiegenen Geldmenge erwarten sie, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im Anschluss an die Sitzung eine deutliche Neigung erkennen lassen wird, die Zinsen in absehbarer Zeit anzuheben. Seit gut zwei Jahren liegt der EZB-Leitzins auf dem historischen Tief von zwei Prozent.

Wie die EZB am Freitag mitteilte, stieg das Jahreswachstum der Geldmenge M3 auf 7,9 Prozent, von 7,6 Prozent im Juni. Die EZB hat einen Referenzwert von 4,5 Prozent, den sie für langfristig mit Preisstabilität vereinbar hält. Auch das Kreditvolumen hat sich erhöht. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor erhöhte sich um 8,2 Prozent, nach 8,0 Prozent im Vormonat.

„Die Bedeutung dieser Daten wird denjenigen Ratsmitgliedern, die monetäre Daten ernst nehmen, nicht entgehen. Wir können davon ausgehen, dass die EZB am Donnerstag deutlich schärfere Töne anschlagen wird“, kommentierte Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital, die Geldmengenzahlen.

Auch auf der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrats, eines Gremiums von 18 prominenten europäischen Ökonomen, spielte die Geldmengenentwicklung eine entscheidende Rolle. Das Meinungsspektrum verschob sich deutlich. Aus einer Tendenz zur Befürwortung niedrigerer Zinsen wurde eine leichte Neigung zu einer Zinsanhebung. Fünf Mitglieder empfahlen der EZB eine sofortige Zinserhöhung, weil sie in dem übermäßigen Geldmengen- und Kreditwachstum langfristig eine Gefahr für die Preisstabilität und die Stabilität des Finanzsystems sehen. „Die Geldmenge wird über kurz oder lang entweder die Güter- und Dienstleistungspreise übermäßig in die Höhe treiben oder aber die Preise von Finanzanlagen und Immobilien“, sagte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

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