Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik
S&P vergibt Bestnoten und mäkelt trotzdem

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) schätzt die Kreditwürdigkeit Deutschlands weiterhin als hervorragend ein, fordert aber eine rasche Sanierung der öffentlichen Haushalte. Für das kommende Jahr hob S&P seine Wachstumsprognose an. 2007 sei ein ähnliches Wachstum aber unwahrscheinlich.

HB FRANKFURT AM MAIN. Zwar erhalte die Bundesrepublik immer noch die höchste Bonitätsnote „AAA“ (Triple A) bei stabilem Ausblick. „Nichtsdestotrotz fällt Deutschland im internationalen Vergleich zurück“, sagte S&P-Manager Moritz Kraemer am Montag in Frankfurt. Bei Schuldenquote, Haushaltsdefizit und Wirtschaftswachstum rangiere das Land gemessen an anderen Staaten mit Top-Rating am hinteren Ende. Bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen zähle Deutschland inzwischen nicht mehr zu den reichsten Ländern.

Für die private Wirtschaft sind die Zeugnisaussteller positiv gestimmt. Besonders bei den Exporten zeige sich die wieder gewonnene Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Die Investitionen würden in den kommenden 18 Monaten nirgendwo sonst in der Eurozone so schnell wachsen. Deutschland habe bereits mit der Wiedervereinigung seine große Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. „Aber an den Flügeln dieses Albatrosses hängen die Probleme der öffentlichen Finanzen“, meinte Kraemer.

Für das kommende Jahr erhöhte S&P seine Wachstumsprognose von 1,1 auf 1,6 Prozent, worin sich aber auch Vorzieheffekte auf Grund der für 2007 angekündigten Mehrwertsteuererhöhung widerspiegelten. Die Gefahr sei, dass 2006 ein „Ausnahmejahr“ werde, warnte der S&P-Chefvolkswirt Europa, Jean-Michel Six. Es seien daher weitere Reformen zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt und im Gesundheitswesen erforderlich, um das Wachstum dauerhaft anzukurbeln. Ganz ohne Reformen der Haushalte und für mehr Wirtschaftsdynamik würde die Kreditwürdigkeit Deutschlands Mitte der 2020er Jahre auf ein niedrigeres Rating im Bereich A - vergleichbar etwa mit Griechenland - absinken.

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