Krise in der Ukraine
Deutsche Exporte nach Russland brechen ein

Die Krise in der Ukraine hat deutliche Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die Exporte nach Russland sind stark gesunken – die instabile Lage kostet die Unternehmen Milliarden. Auch der Rubel bereitet Sorgen.
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BerlinDie Ukraine-Krise kostet die deutsche Wirtschaft viel Geld. Im ersten Quartal 2014 brachen die Exporte nach Russland gegen den allgemeinen Trend um 13 Prozent ein. Damit wurden nur noch Waren im Wert von rund 7,6 Milliarden Euro dorthin geliefert, wie aus Reuters am Dienstag vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die gesamten Exporte waren von Januar bis März dagegen um 3,1 Prozent gestiegen.

Damit verschärft sich der im vergangenen Jahr begonnene Abwärtstrend erheblich: 2013 waren die Ausfuhren nach Russland bereits um fünf Prozent auf 36 Milliarden Euro gefallen. Überdurchschnittlich stark leiden derzeit die Maschinen- und Autobauer. Die Lieferungen von Maschinen fielen um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, die von Fahrzeugen um 18 Prozent auf ebenfalls 1,9 Milliarden.

Neben der Verunsicherung von Unternehmen wie Verbrauchern durch die Ukraine-Krise dürfte der Kursverfall des Rubel dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Er war im Februar und März auf ein Rekordtief gefallen, nachdem Anleger massenhaft Geld aus dem Schwellenland abgezogen hatten. Das macht deutsche Waren teurer. Noch stärker brachen die Exporte in die Ukraine ein, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Sie gingen in den ersten drei Monaten um rund 26 Prozent auf 967 Millionen Euro zurück. Auch die Währung Hrywnia war auf Tiefstände gefallen.

Dagegen zogen die Einfuhren aus beiden Ländern deutlich an. Die Importe aus Russland erhöhten sich um 5,5 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Dabei kletterten die Erdöl- und Erdgas-Einfuhren um sechs Prozent auf fast 7,9 Milliarden Euro. Experten vermuten, dass deutsche Unternehmen ihre Speicher aufgefüllt haben. Die Importe aus der Ukraine wuchsen um 5,2 Prozent auf 395 Millionen Euro.

Deutschlands Unternehmen befürchten bei scharfen Wirtschaftssanktionen gegen Russland den Verlust lukrativer Geschäfte an die Konkurrenz aus Asien. Weitergehende Sanktionen würden "zu einer deutlichen Hinwendung der russischen Wirtschaft und Politik nach Asien, insbesondere nach China, führen", heißt es in einem Positionspapier der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, das auch an die Bundesregierung gerichtet ist. "Ein solcher Verlust von Marktpositionen europäischer und deutscher Unternehmen würde angesichts schon jetzt schwieriger Marktverhältnisse langfristig und nachhaltig sein."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das ist das reale Ergebnis der dilettantischen Politik von EU und Berlin in Sachen Ukraine! Man hat sich durch Unfähigkeit selbst in die Situation manövriert. Die Völker haben nie dahinter gestanden. Darum unbedingt am Sonntag alternativ wählen!

  • Applaus an Merkel, Gabriel, Steinmeier & Co. Das haben die super hinbekommen. Wandel durch Handel geht gar nicht, wenn man die USA hofieren muss und gleichzeitig sein persönliches Feindbild ausleben kann.
    Habe heute eine Umfrage gelesen, di besagt, daß die Mehrheit der Deutschen weiteres Ausßenpolitische "Engagement" unserer Regierung ablehen. Bei dem Ergebnis des außenpolitichen Dilletantismus wäre es angeraten, Merkel, Steinmeier & Co. würden auf ihr eigenes Volk hören.
    Wird leider wieder nicht geschehen, da Steinmeier sich in seiner Eitelkeit nicht bremsen lässt + Merkel so gerne usner Geld vers(ch)enkt.

  • @Hafner
    Ihre geopolitische Analyse teile ich. Aber Sie bringen keinen Hinweis darauf, daß deutsche Politiker NICHT besonders dumm sind. Die anekdotische Evidenz für die Annahme einer besonderen deutschen Dummheit gibt jedes Geschichtsbuch her...

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