Krise nicht vorschnell abhaken
Weltbank nimmt G8 jede Konjunkturhoffnung

Die Weltbank hat die führenden Industriestaaten und Russland (G8) vor verfrühten Hoffnungen auf ein Ende der Wirtschaftskrise gewarnt. „2009 bleibt ein gefährliches Jahr. Trotz jüngster Fortschritte könnte es leicht wieder zu Rückschlägen kommen, und das Tempo der Erholung im Jahr 2010 ist mehr als unsicher“, warnte Weltbank-Präsident Robert Zoellick in einem Brief an den G8-Gastgeber und italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi.

HB GENF. In dem Schreiben, das Reuters am Montag vorlag und Durchschriften für alle führenden Vertreter der G8 umfasst, werden die Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken im Kampf gegen die Krise gewürdigt. Sie hätten den „freien Fall der Weltwirtschaft“ gestoppt. Manche Industriestaaten stellten sich mit Politikmodellen aber vorschnell darauf ein, dass die Erholung bereits greifbar nahe sei, kritisierte Zoellick.

Die Weltbank hatte jüngst ihre Konjunkturprognosen für die Euro-Zone, die USA und Japan für das laufende Jahr gesenkt. Zugleich geht sie davon aus, dass die Erholung 2010 schwächer als zuvor erwartet ausfallen wird. Die Teilnehmer des am Mittwoch im italienischen L'Aquila beginnenden G8-Gipfels dürften angesichts der unsicheren globalen Konjunkturperspektiven den Kampf gegen die Krise in den Mittelpunkt ihrer Gespräche rücken. Dabei sollen auch Umrisse einer neuen Finanzmarktverfassung erkennbar werden.

Die Wirtschaft in Europa steckt auch nach Einschätzung von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso noch mindestens bis zum Jahresende in der Rezession. „Wir sind nicht länger im freien Fall, das ist gut, aber wir bleiben noch in negativem Territorium bis zum Jahresende“, sagte Barroso am Montag in Brüssel. Es sei nicht sicher, wann die Erholung einsetzen werde. „Was sicher ist, ist, dass die sozialen Folgen länger dauern werden als die Wirtschafts- und die Finanzkrise selbst.“ Deshalb hätten zusätzliche Maßnahmen auf EU-Ebene gegen die Arbeitslosigkeit für ihn derzeit oberste Priorität.

Die EU-Länder könnten nicht dauerhaft die Konjunktur mit staatlichen Impulsen ankurbeln, erklärte Barroso. Es müsse eine Ausstiegsstrategie mit einer Rückkehr zu einer soliden Finanzpolitik geben. Die EU müsse auf ein nachhaltiges, intelligentes Wachstum umsteuern, denn die Wirtschaft werde nach der Krise bei einem geringeren Wachstumspotenzial landen als zuvor.

Zoellick warnte die Staaten der Welt in Genf zudem eindringlich davor, in der Krise ihr Heil in einer wirtschaftlichen Abschottung zu suchen. „Diese Tendenzen könnten in den nächsten Monaten außer Kontrolle geraten“, sagte der Weltbank-Präsident. Die Entwicklung könne eskalieren, falls sich die Staaten bei steigender Arbeitslosigkeit in einem protektionistischen Wettlauf gegenseitig zu überbieten suchten. Als Reaktion auf die Krise seien bereits verstärkt Importzölle erhoben und andere Handelshürden errichtet worden. Dadurch würden die Handelsvolumina verringert, die in der Krise wegen der sinkenden Nachfrage ohnehin eingebrochen seien. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, äußerte sich in Genf jedoch zuversichtlich, dass das Handelsvolumen für den Fall einer wirtschaftlichen Erholung in den Industriestaaten wieder „recht schnell“ anziehen werde. Die USA könnten mit steigenden Exporten zum Impulsgeber für den weltweiten Handel werden, sagte Strauss-Kahn.

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