Krisenökonom Otte: „Deutschlands Wirtschaftskraft hält den Euro stabil“

Krisenökonom Otte
„Deutschlands Wirtschaftskraft hält den Euro stabil“

Der Weltwirtschaft droht nach Ansicht der Deutschen Bundesbank kein Rückfall in die Rezession. Und auch Europa geht nicht die Puste aus. Im Gegenteil: Deutschland setzt seinen Aufschwung-Kurs unermüdlich fort. Das nützt auch dem Euro, sagt der renommierte Krisenökonom Otte. Dennoch bestehen Unsicherheiten in manchen Ländern. Als Risikokandidaten gelten die USA und England.
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DÜSSELDORF. Der renommierte Krisenökonom Max Otte hält die Stabilität des Euro in den kommenden Jahren dank Deutschlands Wirtschaftskraft für gesichert. „Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre besteht keine ernsthafte Gefahr für die Eurozone, obwohl ich seit 1998 ein dokumentierter Euroskeptiker bin“, sagte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms Handelsblatt Online. „Weitergehende Prognosen wären unrealistisch.“

Nach Auffassung Ottes ist der Euro so lange gegen spekulative Attacken gewappnet, so lange die deutsche Wirtschaft floriert. „Solange Deutschlands Wirtschaftskraft den Euro stützt - was sicherlich die Kaufkraft der deutschen Bevölkerung schwächt und auch in Deutschland auf eine Inflationierung hinausläuft - ist die Kunstwährung Euro einigermaßen stabil“, sagte er. Gleichwohl hält er die von der Bundesregierung aufgelegten Sparpakete zum jetzigen Zeitpunkt „für kontraproduktiv, da sie eher die Probleme anheizen“.

Andere Wirtschaftsforscher forderten die Politik auf, zur Stärkung und Stabilisierung der Euro-Zone zügig eine Reform des Euro-Stabilitätspakts anzugehen. „Sicher gehört dazu an erster Stelle, dass überschuldete Staaten wie Griechenland durch ein Entschuldungsprogramm saniert werden, das bei einer Umschuldung zu Lasten der Anleger ansetzt“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, Handelsblatt Online. Die europäische Fiskalpolitik brauche zudem ein „stärkeres Korsett“, als es der Maastricht-Vertrag hergibt. „Seine Weiterentwicklung, bei der eine unabhängige europäische Instanz auf die Einhaltung der fiskalpolitischen Regeln achtet, ist dringend erforderlich.“

Ähnlich äußerte sich der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Es sei richtig, „dass grundlegende Entscheidungen gefällt werden müssen oder der Euroraum ist auf dem Weg in ein verlorenes Jahrzehnt ohne Wachstum“, sagte Horn Handelsblatt Online. Zudem könne die Euro-Zone abermals Opfer spekulativer Attacken werden, was die weitere Existenz der Gemeinschaftswährung gefährde. Die Frage, der sich die Politik stellen müsse, laute daher, ob der Euroraum ein Verbund souveräner Nationalstaaten bleibe oder sich zur Transferunion mit klaren Regeln, Rechten und Verpflichtungen weiterentwickeln solle. „Entscheidet man sich, was wahrscheinlich ist, für Ersteres, müssen gleichfalls klare Regeln für den Handel zwischen den Staaten gelten“, sagte Horn.

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