Krisenvirus breitet sich aus
Rückschlag für die Euro-Optimisten

Die Euro-Zone ist noch lange nicht aus dem Schneider. Laut einer Studie grassiert der Krisenvirus weiter und befällt nun auch Nord-Länder. Griechenland entwickelt sich zum hoffnungslosen Fall. Die Politik ist alarmiert.
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BerlinDas Freiburger Centrum für europäische Politik (CEP) hat eine Studie veröffentlicht, die Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker sein dürfte. Die Forscher haben die Kreditfähigkeit der Euro-Staaten analysiert und kommen zu ernüchternden Ergebnissen. Besonders bitter ist das Urteil zu Griechenland: „Trotz aller gegenteiligen Behauptungen der griechischen Regierung: Griechenland bleibt das Sorgenkind der Euro-Zone“, schreiben die Experten. Die Kreditfähigkeit des Landes verfalle weiter - und zwar „deutlich schneller“ als die aller anderen Euro-Länder. „Die Wiedererlangung der griechischen Kreditfähigkeit ist nicht absehbar.“

Die Analyse deckt sich teilweise mit den Zahlen aus dem am Dienstag veröffentlichten Wirtschaftsausblick der EU-Kommission. Der griechische Schuldenstand sinkt der Prognose der EU-Kommission zufolge zwar von 177,0 Prozent der Wirtschaftsleistung in diesem auf 171,9 Prozent im kommenden Jahr, dies ist jedoch höher als noch in der letzten Analyse vom November erwartet. Der EU-Grenzwert liegt eigentlich bei 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Dass das krisengebeutelte Griechenland laut der EU-Prognose in diesem Jahr nach jahrelanger Rezession wieder ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent verzeichnet, bezweifelt das CEP. „Die Wachstumsprognosen der EU-Kommission sind nicht nachvollziehbar“, sagte CEP-Vorstand Lüder Gerken. Dies gelte insbesondere für Länder wie Griechenland und Italien. „Der von der Kommission erwartete teilweise rapide Anstieg der Investitionen ist in hohem Maße erstaunlich.“

Für das Jahr 2015 erwartet die Kommission für Griechenland sogar ein Plus von 2,9 Prozent. Das mit internationalen Hilfsprogrammen vor dem Bankrott gerettete Land verzeichnete letztmals im Jahr 2007 ein Plus des Bruttoinlandsprodukts. Hoffnung macht auch die Jobsituation. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in dem Land sinkt demnach von 27,3 Prozent im vergangenen Jahr schrittweise auf 26,0 Prozent in diesem und 24,0 Prozent im Jahr 2015.

Nichtsdestotrotz warnen die Forscher davor, die positiven Nachrichten über zu bewerten. Denn die Probleme, die zur Euro-Krise geführt haben, seien nicht nur weiterhin nicht gelöst, sie hätten sich sogar auf weitere Länder ausgeweitet: Demnach verfällt nicht nur die Kreditfähigkeit der Hellenen weiter ungebremst. „Die seit 2009 zu beobachtende Erosion der italienischen Kreditfähigkeit hat sich im ersten Halbjahr 2013 sogar noch beschleunigt“, konstatieren die Experten.  Und auch die Entwicklung in Frankreich gebe nach wie vor Anlass zu Besorgnis.

Das legt auch die neue Prognose der EU-Kommission für Frankreich nahe: Das Haushaltsdefizit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone wird sich demnach in diesem und dem kommenden Jahr auf 4,0 Prozent beziehungsweise 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung verschlechtern. Damit liegt das Land weiter deutlich über dem EU-Grenzwert von 3,0 Prozent. Die Regierung in Paris hatte hingegen angekündigt, das Defizit im Jahr 2015 wieder auf den Wert von 2,8 Prozent zu senken.

Kommentare zu " Krisenvirus breitet sich aus: Rückschlag für die Euro-Optimisten"

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  • ....und die "noch" reichen Länder werden weiterhin ihre Bevölkerung mit Steuern etc. aussaugen müssen, damit das Geld transferiert werden kann...

    Das ist doch das Ziel, deshalb müssen wir handeln... was uns halt möglich ist, ein Kreuzchen halt.
    as möglich ist

  • Wenn Schäuble sagt, "Griechenland ist auf einem guten Weg" - dann ist das auch so!

    Leute, das war doch nur ironisch gemeint....

  • Die 1. Vorsitzende der Berliner Blockparteien samt ihrem ESM-Gouverneur und ihrem Geheimdienst-Intimus Thomas sind in dieser ekeligen Euro- und EU-Politik verfangen! Die Drei haben uns das am 9./10. Mai 2010 durch Rechtsbruch der Art 123 und 125 AEUV des Euro-Stabilitätspaktes von 1992 Maastricht eingebrockt! Weg damit im Mai. Deutschlands Bürger müssen einen Neuanfang mit neuen Köpfen wählen. Die alte Murksel macht Deutschland und Europa kaputt.

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