Kritik am Chef der US-Notenbank
Ben Bernanke: Zwischen den Stühlen

US-Notenbankchef Ben Bernanke kommt kurz vor Ende seiner ersten Amtszeit unter schweren Beschuss. Politiker aller Lager haben sich auf ihn eingeschossen. Wie der Wirtschaftsprofessor und Zentralbanker versucht, seinen Ruf und sein Amt zu retten.

NEW YORK. Ben Bernanke, einer der angesehensten Wirtschaftsprofessoren und Notenbanker der Welt kämpft in aller Öffentlichkeit um seinen Ruf und sein Amt. US-Politiker aller Lager haben sich auf ihn eingeschossen, weil er 2008 beim Notverkauf der angeschlagenen Investmentbank Merrill Lynch (ML) seine Kompetenzen überschritten haben soll. Sie werfen ihm vor, er habe den Käufer, Bank-of-America-Chef Ken Lewis, gegen seinen Willen zum Vollzug der Übernahme genötigt und ihm ansonsten mit Abberufung gedroht.

Zunächst sehr gefasst, aber im Laufe der Zeit immer mehr mit der Fassung kämpfend, versuchte Bernanke gestern bei einer stundenlangen Anhörung vor dem Parlament, seine Haut zu retten. "Weder ich noch sonst jemand bei der Fed hat das Management von Bank of America bedroht", beantwortete er immer wieder die teilweise im Verhörstil vorgetragenen Fragen der Volksvertreter.

Sachlich betrachtet geht es beim jetzigen politischen Schlagabtausch um Bernakes verzweifelte Versuche, im Dezember 2008 jene Finanz-Bankenkrise zu entschärfen, die zur Kernschmelze des US-Finanzsystems hätte führen können: Als Merrill Lynch im Krisenseptember 2008 nach der Pleite des Konkurrenten Lehman Brothers ernste Probleme bekam, sah Ken Lewis, Chef der großen, aber vor allem in der Provinz starken Bank of America, seine Zeit gekommen. Er erfüllte sich den Traum einer Adresse an der schillernden Finanzmeile Wall Street. Im Dezember aber, kurz vor dem rechtlichen Vollzug der Transaktion, entdeckte er neue Milliardenlöcher bei Merrill, die offensichtlich im Triumphgefühl des Vertragsabschlusses übersehen worden waren.

Die Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft und eine Serie von dabei ans Tageslicht gekommenen E-Mails legen nahe, dass Bernanke und der damalige Finanzminister Henry Paulson Lewis aus Sorge um die Stabilität des Finanzsystems zum Vollzug der Transaktion drängten. Damit könnten sie Lewis illegalerweise zu Vernachlässigung seiner Pflichten gegenüber den Aktionären genötigt und ihre Kompetenzen als oberste Bankenaufseher und Anlegerschützer deutlich überschritten haben.

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