Kritik an EZB
„Die Ruhe ist trügerisch und gefährlich“

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisiert die jüngsten EZB-Beschlüsse scharf. Die Zentralbank hatte im September ein weiteres Anti-Krisen-Paket geschnürt. Weidmann hält dies für eine „gefährliche Weichenstellung“.
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Frankfurt am MainBundesbank-Präsident Jens Weidmann hält die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine gefährliche Weichenstellung.

Die Mehrheit im EZB-Rat habe signalisiert, „dass die Geldpolitik bereit ist, sehr weit zu gehen und neues Terrain zu betreten“, sagte Weidmann dem „Spiegel“: „Es geht nicht mehr nur darum, die Kreditvergabe anzukurbeln, sondern nötigenfalls auch auf direktem Weg Geld in die Wirtschaft zu pumpen.“

Die jüngsten Entscheidungen seien aus seiner Sicht „eine einschneidende Veränderung für die Geldpolitik der EZB“, sagte Weidmann, der für Deutschland dem EZB-Rat angehört und wiederholt Kritik am Krisenkurs der Notenbank geäußert hatte.

Die EZB hatte im Kampf gegen Konjunkturflaute und Mini-Inflation Anfang September ein weiteres Anti-Krisenpaket geschnürt. Überraschend senkten die Währungshüter den Leitzins auf 0,05 Prozent.

Zudem wurde ein Programm zum Ankauf von Pfandbriefen und Kreditpakten (Asset Backed Securities/ABS) beschlossen. Ziel ist, dadurch Geschäftsbanken zu entlasten, um dort Freiräume für neue Kredite zu schaffen. Details des Programms will die EZB im Oktober festlegen.

Anders als die aktuelle Ruhe an den Finanzmärkten suggeriere, sei die Krise im Euroraum noch lange nicht überwunden, warnte Weidmann. „Die Ruhe ist insofern trügerisch und sogar gefährlich, denn sie nimmt den Druck von den Regierungen, dringend nötige Reformen durchzuführen“, sagte der Bundesbank-Präsident.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kritik an EZB: „Die Ruhe ist trügerisch und gefährlich“"

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  • Dass die Volksparteien nicht auf die AfD hören möchten, kann man irgendwie verstehen. Dass sie aber auch nicht auf den Präsidenten der Deutschen Bundesbank hören möchten, ist doch unentschuldbar oder beschreibt deren geistiges Niveau.

    Zur Erinnerung:
    Es waren zuvor Axel Weber und Jürgen Stark, also lange bevor die AfD und Herr Weidmann das Thema aufgriffen und auf die fehlende Kontrolle der Abgeordneten gegenüber der EZB und ESM hinwiesen.

    Es muss etwas passieren, wenn die herrschenden Volksparteien und ihre Abgeordneten sich noch retten wollen.

    Wenn die Politik nicht einmal mehr auf den Bundesbankpräsidenten hört, dann sind wohl die Kirchen aufgefordert, ihren Gläubigen beizustehen. Ich glaub's nicht. Geht's noch dicker?

  • Der Herr Waidmann täte gut daran, einfach mal den Mund zu halten. Er hat nichts mehr zu melden und daran ist er selber schuld. Deshalb mag seine Analyse noch so richtig sein - es interessiert keinen mehr, weil sich der Mann selbst in die Irrelevanz geschossen hat. Hätte er sich nicht als willfähriger Sklave der Eurokratie und der Kanzlerin geriert, würde man ihn noch ernst nehmen. So aber kann man ihn allenfalls noch als Hampelmann wahrnehmen.

  • Frankfurt am Main. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine gefährliche Weichenstellung. Da stellt sich doch die Frage: Hat Herr Weidmann das Vertrauen der deutschen Regierung und wenn ja was unternimmt sie ??? Oder sieht die deutsche Regierung den eigenen Bundesbankpräsidenten mit seinen Bedenken als Alibikasper der eigenen desaströsen EU-Politik an?? Wie die letzten Wahlen zeigten wachen immer mehr Wähler auf und werden in Zukunft eine deutsche Regierung auf fordern Politik im Interesse deutscher Steuerzahler zu betreiben damit sie nicht gänzlich als europäische Lachnummer enden !

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