Kritik von Arbeitgebern
IG Metall will für Kaufkraft kämpfen

Bezirksleiter Armin Schild mahnt Teuerungszuschlag für untere Lohngruppen an und sieht eine "makroökonomische Verantwortung" der Gewerkschaften für die Nachfrageseite. Im Bezirk NRW geht es um einen Forderungskorridor von sieben bis acht Prozent.

BERLIN. Die IG Metall leitet aus der schlechten Konsumlaune der Deutschen einen Auftrag für kräftige Lohnerhöhungen in der kommenden Tarifrunde ab. Sie habe auch eine "makroökonomische Verantwortung für die Nachfrageseite", sagte der hessische Bezirksleiter Armin Schild dem Handelsblatt. "Das gilt angesichts der mittlerweile geradezu dramatischen Konsumschwäche umso mehr." Indikatoren für den privaten Verbrauch in Deutschland hatten sich zu Wochenbeginn weiter verschlechtert.

Die Gewerkschaft sieht sich damit nun zusätzlich legitimiert, für die 3,6 Millionen Metaller trotz abflauender Konjunktur eine höhere Lohnforderung zu stellen als die 6,5 Prozent im vergangenen Jahr. Die so genannte Kaufkrafttheorie gilt zwar als ökonomisch äußerst angreifbar. Sie eröffnet der IG Metall jedoch einen Weg, auf den hohen Erwartungsdruck ihrer Mitglieder einzugehen, ohne dafür argumentativ ihren Anspruch einer gesamtwirtschaftlich orientierten Tarifpolitik aufzugeben.

In der kommenden Woche stehen bei der IG Metall erste konkrete Weichenstellungen für ihre Lohnforderung in den ab Oktober beginnenden Verhandlungen mit den Arbeitgebern an: Am Mittwoch stecken die bezirklichen Tarifkommissionen der so genannten Mittelgruppe (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen) sowie Nordrhein-Westfalens erste formelle Wegmarken ab, tags darauf folgt Baden-Württemberg. Am 8. September verkündet der Gewerkschaftsvorstand seine offizielle Marschroute. Der endgültige Forderungsbeschluss ist für den 23. September terminiert.

Im Bezirk NRW konzentriert sich die interne Forderungsdebatte nach Aussage von Bezirkschef Oliver Burkhard mittlerweile auf eine Größenordnung von "plus sieben bis acht Prozent". In einzelnen Regionen und Betrieben gehen die Vorstellungen indes darüber hinaus. Schild zufolge haben sich etwa bei Opel in Rüsselsheim zwei Drittel der IG-Metaller für eine Forderung von mindestens acht bis zehn Prozent ausgesprochen.

Vor diesem Hintergrund zieht der in NRW genannte Korridor bereits eine bemerkenswerte Grenze nach oben: Damit würde die IG Metall zumindest nicht die Acht-Prozent-Forderung überbieten, die Verdi im Frühjahr den Arbeitgebern im öffentlichen Dienst präsentiert hatte. Allerdings hatte Verdi auch drei Jahre mit Nullrunden hinter sich, während die Metall-Tarife allein seit 2007 in Stufen von 4,1 und 1,7 Prozent stiegen.

Dass sich die Perspektiven inzwischen auch für die exportstarken Metallbetriebe eintrüben, bestreitet die IG Metall nicht. Ihre aktuelle Prognose geht nach einem Produktionszuwachs von 8,7 Prozent im vergangenen Jahr noch von plus sechs Prozent für 2008 und plus vier bis fünf Prozent für 2009 aus. Die Konjunkturaussichten insgesamt seien zwar derzeit unsicher, betont Schild. "Was wir aber wissen: Es könnte zu einer echten Krise kommen, wenn die Konsumnachfrage weiter einbricht."

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