Kritik von OECD und FAO
Biosprit treibt Agrar-Preise

Aufgrund hoher Subventionen wird sich die Produktion von Biosprit in den kommenden zehn Jahren verdoppeln und damit zunehmend den Anbau von Lebensmitteln verdrängen. OECD und FAO sehen daher die Förderpolitik der Industrie-Staaten für Biosprit zunehmend kritisch.

PARIS. Die wachsende Produktion von Biosprit wird in den nächsten zehn Jahren für rund ein Drittel des Preis-Anstieges von Agrar-Produkten verantwortlich sein. Das sagte gestern Loek Boonekamp, Agrar-Experte der OECD, bei der Vorstellung der neuen "Agrarcultural Outlook 2008 - 2017" in Paris, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gemeinsam mit der Welternährungsorganisation (FAO) verfasst hat. Dank hoher Subventionen wird die Produktion von Biosprit sich in den kommenden zehn Jahren verdoppeln und damit zunehmend den Anbau von Lebensmitteln verdrängen.

OECD und FAO sehen daher die Förderpolitik der Industrie-Staaten für Biosprit zunehmend kritisch: "Diese Förderung muss auf den Prüfstand", forderte Angel Gurria, Generalsekretär der OECD. Agrar-Experte Boonekamp meint, dass die "Vorteile aus dem Biosprit-Anbau wahrscheinlich kleiner sind, als anfänglich gedacht." So sei es höchst fraglich, ob die Industriestaaten mit dem Ausbau der Biosprit-Produktion tatsächlich ihren Ausstoß des Klimakillers CO2 reduzieren könnten. Eine tiefergehende Analyse will die OECD Ende Juni präsentieren.

Damit reihen sich zwei gewichtige internationale Organisationen in die Reihe der Biosprit-Kritiker ein. Angesichts der explodierenden Nahrungsmittel-Preise ist auch in der Europäischen Union eine Debatte über die Förderung von Biosprit entbrannt. Die EU hat als Ziel ausgegeben, bis 2010 den Anteil von nachwachsenden Rohstoffen am Treibstoffverbrauch auf zehn Prozent auszubauen.

"Der Anbau von Biosprit zählt zu einem der Preistreiber", kritisierte auch Jacques Diouf, Generalsekretär der Welternährungsorganisation. Nach dem raketenhaften Preisanstieg in den vergangenen zwei Jahren dürften die Preise für landwirtschaftliche Produkte zwar wieder sinken, heißt es in dem Bericht. Die hohen Preise würden einen Ausbau der Produktion anregen, was die Preise drücken dürfte.

Doch auf mittlere Sicht werden Agrar-Produkte dauerhaft teurer werden. "Die durchschnittlichen inflationsbereinigten Preise werden in den kommenden zehn Jahren um zehn bis 50 Prozent über den Preisen des vergangenen Jahrzehnts liegen", prognostizierte OECD-Generalsekretär Gurria.

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