Kyoto-Ziele
Wachstum droht Klimaschutz-Bilanz zu verhageln

Das unerwartet starke Wirtschaftswachstum in Deutschland durchkreuzt die Pläne der Klimaschützer: Es wird schwieriger, Treibhausgase wie geplant zu reduzieren, wenn die Wirtschaft brummt. Zwar ist Deutschland bei der Erfüllung der Kyoto-Ziele in den vergangenen Jahren weit vorangekommen. Auf den letzten Metern dürfte es aber schwierig werden.

BERLIN. „Die gesetzten Emissionsziele sind sehr anspruchsvoll, zumal der europaweite Wirtschaftsaufschwung den Kohlendioxidausstoß erst einmal wieder erhöhen wird“, sagte Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, dem Handelsblatt.

Die Europäische Union hat sich mit dem Kyoto-Protokoll verpflichtet, ihre Kohlendioxid-Emissionen bis 2008/2012 gegenüber 1990 um acht Prozent zu reduzieren. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich dabei auf unterschiedliche Reduktionsverpflichtungen verständigt, um dieses Ziel gemeinsam zu erreichen. Deutschland hat ein Vorreiterrolle übernommen und eine Reduktion um 21 Prozent zugesagt. Bis 2005 wurden die Kohlendioxidemissionen in Deutschland bereits um 19,2 Prozent gesenkt. Den größten Anteil an dieser Entwicklung hatte allerdings der Niedergang der Industrie in den neuen Bundesländern.

Unter dem Aspekt des Klimaschutzes war das in den vergangenen Jahren eher schwache Wirtschaftswachstum besonders in Deutschland ein Segen. Bei nur mäßigem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ließen sich die Kohlendioxidemissionen vergleichsweise leicht zurückführen. Doch mit dem vergangenen Jahr hat sich das Blatt gewendet. Die Wirtschaftsleistung wuchs 2006 um 2,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2000. Und auch für das laufende Jahr sind die Wirtschaftsforscher optimistisch: Einen Wert von zwei Prozent oder mehr halten die führenden Institute übereinstimmend für realistisch.

Das bedeutet: mehr industrielle Produktion, mehr Energieverbrauch, mehr Verkehr – und einen erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid. „Deutschland wird Probleme bekommen, seine Ziele zu erreichen“, sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Handelsblatt. „Wir müssen die Potenziale der Effizienzsteigerung im Energiebereich massiv ausbauen, sonst wird es eng. Wir dürfen uns auf der bereits erreichten Reduktion nicht ausruhen.“

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