Brasilien
Aufschwung an der Copacabana

Brasilien hat unter Präsident Lula da Silva eine beachtliche Aufholjagd hingelegt. Die Armut wurde halbiert und die Wirtschaft wuchs kräftig. Dank der stabilen Binnennachfrage überstand das Land die Weltfinanzkrise gut. Allerdings ist der Industriesektor nach wie vor schwach. Hier bieten sich ausländischen Investoren gute Chancen.

FRANKFURT. Das größte wirtschaftspolitische Problem Brasiliens ist sein großer Erfolg. Weil alle Welt in dem politisch stabilen und stark wachsenden Schwellenland investieren will, steigt der Wechselkurs des Real auf immer neue Rekordmarken und macht es den brasilianischen Unternehmen schwer, sich gegen ausländische Konkurrenz zu behaupten. Reine Finanzinvestoren schreckt die Regierung daher mit einer jüngst verdoppelten Kapitalimportsteuer auf Staatsanleihen ab. Direktinvestitionen in Produktionsanlagen in Brasilien sieht sie dagegen weiterhin gerne, braucht sie sie doch in ihrem Kampf gegen die immer noch grassierende Armut.

Brasilien ist mit seinen rund 195 Millionen Einwohnern und einer Fläche von rund 8,5 Millionen Quadratkilometern das fünftgrößte Land der Welt. Die landwirtschaftliche Nutzfläche ist eine der größten der Welt und die klimatischen Bedingungen erlauben mehrere Ernten im Jahr. Gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Leistung liegt das Land auf Rang acht, zwischen Italien und Spanien.

Beim Pro-Kopf-Einkommen liegt es mit etwas mehr als 8 000 Dollar nur auf Rang 61 - hinter Russland, aber deutlich vor China (Rang 100) und Indien (142). Dabei hat das Land in den letzten acht Jahren mit einem Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent deutlich Boden gut gemacht. Auch bei der Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen gab es in den letzten Jahren rasante Zuwächse. Trotz der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise verzeichnete das Land 2009 noch Netto-Zuflüsse an Direktinvestitionen von knapp 32 Mrd. Dollar.

Der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup bescheinigt in seiner Länderanalyse für das Handelsblatt dem seit 2002 regierenden linksgerichteten Präsidenten Lula da Silva, das Land wirtschaftlich entscheidend vorangebracht und die verbreitete tiefe Armut deutlich abgebaut zu haben. Damit Brasiliens wirtschaftliche Aufholjagd weiter so erfolgreich verläuft, muss Lulas Nachfolger, der oder die am Monatsende in einer Stichwahl gewählt wird, nach Einschätzung Rürups die Erlöse aus dem Ressourcenreichtum zu einer Stärkung des industriellen Sektors und zum Ausbau der mangelhaften Infrasleistungssektor nutzen.

Der Dienstleistungssektor spielt eine Rolle wie sonst nur in reifen Industrieländern

Brasilien unterscheidet sich in seiner Wirtschaftsstruktur markant von anderen großen Schwellenländern. Zwei Drittel der Wertschöpfung entfalten auf den Dienstleistungssektor, ein Anteil, wie er sonst eher für etablierte Industrieländer typisch ist. Der industrielle Sektor trägt gut ein Viertel und der Agrarsektor etwa sieben Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei.

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