Brasilien-Boom
Die hohen Preise des Erfolgs

Wo vor wenigen Jahren noch Blechhütten und heruntergekommene Fabriken standen, ragen jetzt Büropaläste und Konsumtempel empor. Von einer Stop-and-go-Ökonomie ist Brasilien zum Staat mit dem drittteuersten Burger der Welt geworden. Grund: Die wirtschaftlichen Erfolge des Rohstofflandes.

SAO PAULO. Ein Milchkaffee bei Starbucks kostet umgerechnet 4,40 Dollar. Eine Eintrittskarte für den Cirque du Soleil gibt es ab 133 Dollar. Eine Übernachtung in einem besseren Hotel Rio de Janeiros kommt auf 470 Dollar. Die Büromiete für Investmentbanken in São Paulo kostet mehr als in Tokios Ginza-Viertel oder Mailands Via Montenapoleone. Kurz: Brasilien ist teuer geworden.

Die Lebenshaltungskosten in Brasilien machen vor allem ausländische Besucher sprachlos. Auf Platz 3 weltweit steht Brasilien heute auf dem Big-Mac-Index des Economist, mit dem die Fachzeitschrift Preise und Kaufkraft von Staaten weltweit vergleicht. Nach Norwegen und der Schweiz ist der Burger in Brasilien am teuersten weltweit. Vor sechs Jahren rangierte Brasilien beim Big-Mac-Index noch auf Platz 22.

Erfolg macht teuer

Die Hochpreise sind Folge des wirtschaftlichen Erfolgs Brasiliens: Die boomende und trotz Krise stabile Wirtschaft lockt das Geld der ausländischen Investoren an - und das wertet den Real immer weiter auf. Seit 2003 hat sich sein Wert gegenüber dem Dollar mehr als verdoppelt. Und der Kapitalstrom aus dem Ausland wird nicht so bald versiegen: Von den zweistelligen Zinsen für sichere Staatsbonds wollen ausländischen Fonds und Privatinvestoren profitieren - vom Konsumboom, die Unternehmen und Konzerne, die neue Fabriken aufbauen oder gleich lokale Konkurrenten kaufen. Da Brasilien in wachsenden Mengen Rohstoffe exportiert, die steigende Preise erzielen, fließen noch zusätzlich Dollar ins Land.

Auch die Börse lockt ausländisches Kapital an: Zuletzt rund 14 Milliarden Dollar an einem Tag bei der Kapitalerhöhung von Petrobras. 300 Milliarden Dollar Devisenreserven könnte Brasilien zum Jahresende besitzen. Die Zentralbank muss immer mehr Dollar aufkaufen und gegen Real tauschen. Trotzdem wird der Real immer stärker. Die Investmentbank Goldman Sachs hält ihn für die derzeit am stärksten überbewertete Währung weltweit.

Das ist für die brasilianischen Konsumenten prima: Sie reisen soviel ins Ausland wie schon lange nicht mehr. Und nicht nur die Wohlhabenden, welche die Suiten der Pariser Spitzenhotels besetzt halten, wie früher nur Araber oder Russen. Auch die aufsteigende Mittelschicht fliegt erstmals zum Skifahren nach Argentinien oder nach Orlando zu Disney World; in 20 Raten abzuzahlen, mit Zinsraten, dass es einem Mitteleuropäer ganz unwohl wird.

Seite 1:

Die hohen Preise des Erfolgs

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%