Demografie
Drohende Schieflage

Schon seit 2003 schrumpft die Bevölkerung in Deutschland. Für die Aussichten des Wirtschaftswachstums kommt es vor allem darauf an, wie sich die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter entwickeln wird. Doch gerade hier gibt es Grund zu Sorge.
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HB DÜSSELDORF. Die aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes geht in der mittleren Variante davon aus, dass die Zahl der Einwohner zunächst langsam und ab dem Jahr 2035 schneller sinken wird – von derzeit knapp 82 Millionen über rund 74 Millionen im Jahr 2040 auf gut 65 Millionen im Jahr 2060.

Für die Wachstumsaussichten kommt es vor allem darauf an, wie sich die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter, die der 20- bis 65- beziehungsweise 67-Jährigen, entwickeln wird. Hier sind die Ergebnisse besorgniserregend: Sie wird, wenn sich die Bilanz der Zu- und Abwanderung nicht ändert, etwa doppelt so schnell abnehmen wie die Gesamtbevölkerung.

Die Belegschaften altern

Zugleich altern die Belegschaften zusehends: Zurzeit sind noch 20 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter 20 bis 29 Jahre alt, fast 50 Prozent 30 bis 49 und 30 Prozent 50 bis 65. Schon in den Jahren 2017 bis 2024 werden 40 Prozent der Deutschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 50 und 65 Jahre alt sein und 40 Prozent zwischen 30 und 49.

Aus der Kombination einer relativ langsam schrumpfenden Wohnbevölkerung und eines im Vergleich dazu deutlich schneller schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzials ergibt sich eine der zentralen Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik.

Das Wachstum ist bedroht

Das Verhältnis der Beschäftigten zur Gesamtzahl der Konsumenten wird immer ungünstiger. „Bislang sind die aus dem langsamen Schrumpfen und dem raschen Altern der Bevölkerung resultierenden Probleme in erster Linie als Probleme der umlagefinanzierten Sozialversicherungen angesehen worden“, warnt der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup in seiner Länderanalyse 2010 für Deutschland. „Die wachstumsdämpfenden Risiken dieser Entwicklung und der daraus erwachsende Handlungsbedarf wurden unzureichend problematisiert.“

Die bisher gewohnte Zunahme des BIP pro Kopf sei nur dann aufrechtzuerhalten, wenn Deutschland in Zukunft sein Erwerbspersonenpotenzial auch über eine verlängerte Lebensarbeitszeit besser ausschöpfe, eine an Arbeitsmarktkriterien orientierte Zuwanderungspolitik betreibe und die Arbeitsproduktivität schneller als bisher steigere. Eine wichtige Rolle spiele auch das Bildungssystem: Die Schulen müssten einen größeren Anteil der Jugendlichen bis zu einem Abschluss führen, der sie für einen erfolgreichen Berufseinstieg qualifiziere.

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